April

Der April kann verschiedene Gesichter zeigen. Meint er es gut mit uns Imkern, können sich unsere Bienen an seinem reich gedeckten Tisch bedienen (Bild 1).

Bild 1


In vielen Jahren zeigt er seine raue Seite. Deshalb müssen sie, auch auf die Gefahr hin, dass ich sie inzwischen langweile, im April immer noch die Futtervorräte der Völker im Auge behalten. Nicht jeder April ist so bienenfreundlich, wie es der vergangene in 2011 war. Vielfach werden überzählige Futterwaben aus den Völkern entnommen. Einmal um mehr Raum für das größer werdende Brutnest zu schaffen, zum anderen um ein Umtragen des Futters in den Honigraum zu vermeiden. Weil aber die Völker gerade jetzt gewaltige Brutmengen aufziehen müssen, um für die guten Trachtmonate Mai und Juni gerüstet zu sein, ist ein zu geringer Vorrat schädlich. Deshalb hilft nur Vorausschau und ein gutes Augenmaß, um die Entwicklung der Völker nicht zu bremsen.

Man kann aber Futtermangel im April auch betriebstechnisch einsetzten. Hunger in den Völkern, der eine zwangsweise Einschränkung der Bruttätigkeit kurz vor der Rapstracht bewirkt, verhindert im weiteren jeglichen Schwarmtrieb.

Wer im März noch keinen Baurahmen eingehängt hat, für den ist jetzt höchste Zeit. Er dient nach dem biomechanischen Konzept der Varroabekämpfung dazu, durch Entfernen der verdeckelten Drohnenbrut, einen Teil der sich im Volk vermehrenden Varroamilben mit zu entfernen. Wir entnehmen nicht bei allen Völkern Drohnenbrut. Von uns wird der Baurahmen eingesetzt, um in den für die Zucht ausgewählten Völkern genügend Drohnen zu haben (Bild 2).

Bild 2

Bei Völkern mit 12 Rähmchen im Brutraum hängen wir den Baurahmen an die zweite Position von außen, bei 10 Rähmchen + Futtertasche neben die Futtertasche. Wer seine Völker mit zwei Bruträumen führt, kann ohne Weiteres zwei Baurahmen je Volk einsetzten. Zur Kontrolle der Varroa sollten im Frühjahr je Volk wenigstens eine verdeckelte Drohnenwabe entnommen werden.

Je nachdem wie man mit Magazinen imkert, muss im Frühjahr im Brutraum keinen Wabentausch vorgenommen werden, weil die Bauerneuerung schon beim Einfüttern im vergangenen Sommer erfolgte. Bei zweiräumiger Überwinterung kann man aber auch noch im Frühjahr das untere Magazin mit den älteren Waben wegnehmen und nach oben mit neuem Bau erweitern. Gleichzeitig ist ein Blick auf den Boden möglich. Mit Gitterböden und bei ausreichender Volksstärke ist nach einigen Flugtagen der Boden von den Bienen selber gesäubert. Nachhelfen und den Boden reinigen kann man, wenn es zu wenige Flugtage gibt und bei schwächeren Völkern.

Wir nutzen die beginnende Entwicklung in den Völkern, um im Dadantbrutraum ältere Waben gegen Mittelwände auszutauschen. Hier wählt man im Idealfall einen Zeitpunkt, zu dem das Brutnest noch nicht voll ausgedehnt ist und auch noch nicht zu viel frischer Nektar und frischer Pollen mit den alten Waben entnommen wird. Sollte noch altes Futter auf den Waben sein, müssen die Völker diese Entnahme auch schadlos überstehen. In den Bildern 3, 4 und 5 sieht man, wie wir bei Völkern mit zwei Bruträumen vorgehen.

Bild 3
Bild 4
Bild 5

Aus dem oberen Brutraum werden die Waben, die nicht in das Brutnest einbezogen sind entnommen. Diese ersetzen im unteren Brutraum entsprechend viele alte Waben. In der Regel haben die Bienen bis April Futter und brauchbaren Pollen aus den Waben im unteren Brutraum ausgeräumt. 2011 war das Angebot so reichlich, dass noch nicht alles Futter aus den Waben verbraucht war, dafür war schon wieder frischer Pollen eingetragen. Insgesamt wird auf diese Weise aber nicht wesentlich in die Futtervorräte eingegriffen. Der größte Teil bleibt im Volk. Nach Jahren, die für die Bienen und damit für uns günstig verlaufen, wird das Futter, das in den unteren Brutraum gehängt wird, von den Völkern erst für die Entwicklung der im folgenden Frühjahr verbraucht. Der obere Brutraum wird seitlich vom Brutnest mit Mittelwänden aufgefüllt, die von den Völkern nach Bedarf ausgebaut werden können.

Bei Völkern mit nur einem Brutraum werden ebenfalls die übers Jahr nach außen gehängten alten Waben entnommen. Wir müssen aber mehr darauf achten, dass genügend Futter in den Völkern bleibt. Dann werden auch hier Mittelwände neben das Brutnest eingehängt.Die alten Waben werden von uns im Dampfwachsschmelzer eingeschmolzen. Die Rähmchen werden vor der Wiederverwendung gewaschen. In anderen Völkern oder für Ableger werden nur Waben verwendet, die nicht bebrütet waren und eine wirklich nennenswerte Menge an Futter enthalten.

Mit der Weiterentwicklung der Völker werden die Mittelwände ausgebaut und in das Brutnest mit einbezogen. Die Randwaben werden in der Regel nicht bebrütet, sonder mit Honig gefüllt. Bei den Dadantvölkern mit zwei Bruträumen werden oft bis zu fünf Brutwaben mit Honig gefüllt.

Bild 6
Bild 7


Bei der Verwendung von Absperrgittern zwischen Brutraum und Honigräumen sollte man darauf achten, dass von den Bienen auf den zentralen Brutwaben kein Honigkranz angelegt wird. Haben die Bienen einen Honigkranz angelegt (Bild 6), wird der Honigraum über dem Absperrgitter gelegentlich nicht mehr so gut angenommen. Zur Vermeidung von zu breiten Futterkränzen sollte man frühzeitig nach oben erweitern und wenn möglich, im ersten Honigraum bereits ausgebaute Waben geben. Die Mittelwände am Rand werden von unseren Völkern oft erst ausgebaut, wenn die Rapstracht schon begonnen hat (Bild 7). Das stört uns nicht, weil wir durch die frühe Gabe der Honigräume die Entwicklung der Völker nach oben begünstigen. Es wird dann Honig sowohl in die Honigräume als auch in die Randwaben des Brutraums eingetragen.

Bild 8
Bild 9


Der Monat April hat viele Gesichter. In den letzten 20 Jahren war er vom Trachtverlauf her meistens eher ungünstig für die Völker. Das hieß zumindest bei uns in Oberschwaben, dass die Kontrolle der Vorräte wichtiger war als die Erweiterung.

Aber wie schon gesagt, der April kann auch ganz anders. Bild 8 und 9 zeigen denselben Stand am 21. April 2011 und 8 Tage später. Viele der Völker mussten innerhalb dieser Woche um weitere Honigräume erweitert werden, um der Volksentwicklung und der Tracht nachzukommen. Das Volk im Vordergrund, das gleich um 2 Honigräume erweitert werden musste, steht besonders exponiert. Hier gehen wir nicht nur von Eigenleistung, sondern von einem zusätzlichen Zugewinn durch Zuflug aus anderen Völkern aus. Bei der Erweiterung mit Honigräumen im Frühjahr setzen wir zuerst unseren Vorrat an Honigräumen mit ausgebauten Waben ein. Ab dem 3. Honigraum bevorzugen wir aber Mittelwände im Aufsatz. Bei der nächsten Kontrolle am Stand, wobei die Kontrollen ab Ende April nicht länger als eine Woche auseinanderliegen sollten, genügt in der Regel ein Blick in den obersten Aufsatz, um Volksentwicklung und Tracht beurteilen zu können. Werden die Mittelwände angenommen und ausgebaut, kann ein weiterer Honigraum gegeben werden. Wächst die Bienenmasse nicht wie erwartet und wird nicht gebaut, muss der Brutstand und die Qualität der Königin geprüft werden. Wird bei guter Bienenmasse nicht gebaut, ist ebenfalls ein Blick in das Brutnest nötig, diese Völker können schon ihre Vermehrung vorbereiten oder einfach gesagt, hier herrscht Schwarmstimmung.

Wer im Verlauf des Jahres wandern will, oder wer seine überzähligen Völker verkaufen will, benötigt eine Gesundheitsbescheinigung. Auch wenn die Wanderung erst für eine spätere Tracht, zum Beispiel für die Weißtanne, vorgesehen ist, setzt man sich am Besten schon Anfang April mit dem zuständigen Bienenseuchensachverständigen in Verbindung. Jetzt sind die Völker noch nicht so weit in der Entwicklung. Es müssen noch nicht so viele Magazine bewegt werden und das Brutnest umfasst auch noch nicht so viele Waben. Das macht die Durchsicht schneller und einfacher.