Februar

Der Februar ist ein Monat mit vielen Gesichtern. Die fünfte Jahreszeit erreicht ihren Höhepunkt. Gut, dass die Bienenvölker uns in dieser Zeit nicht brauchen.

In vielen Jahren kommt der Winter mit Macht zurück und bedeckt Landschaft und Völker mit Schnee. Man darf sich aber von der äußerlichen Ruhe nicht täuschen lassen. Zu der Zeit, als ich Populationsschätzungen an Bienenvölker durchgeführt habe, konnte ich sehen, wie für die Völker der Frühling naht. Regelmäßig war bei meiner ersten Populationsschätzung, die um den 10. März durchgeführt wurde, auslaufende Brut in den Völkern. Das heißt, dass die Königinnen in den Völkern mit dem Legen von Eiern begonnen haben, obwohl drei Wochen zuvor, Mitte Februar, die Temperaturen nachts noch bis zu - 18° C erreicht hatten. Brachte der März dann aber zu wenige Flugtage, wurde die Bruttätigkeit auch wieder eingestellt.

Bringt der Februar heftige Winterstürme, gilt es wie schon im Januar, die Bienenstände zu kontrollieren. Auch bei geschützter Aufstellung der Völker kann abbrechender Ast oder ein umstürzender Baum, die Völker mitgerissen haben. Oder es kann gelegentlich vorkommen, dass der Wind ein Dach herunter bläst. Im allgemeinen stellt man seine Völker, wenn es möglich ist, gegen Wind von Osten und Westen geschützt auf. Direkte Sonneneinstrahlung von Osten und Süden ist ideal. Es sollte keine Staunässe das Klima am Stand kühl halten. Ein stehendes oder fließendes Gewässer in der Nähe, das als Bienentränke dienen kann, ist dagegen wünschenswert. An solchen geschützten Standorten ist für die Bienen der eine oder andere Reinigungsausflug mehr möglich, was die Überwinterung der Völker erleichtert.

Bild 1

Wir stellen in den letzten Jahren immer mehr Stände ohne Windschutz auf (Bild 1). Uns sind Sonne und Helligkeit wichtiger als der Windschutz. Genauso wichtig ist für uns eine gute Zufahrt und genügend Freiraum, um bei der Arbeit an den Völkern nicht behindert zu werden. Der freie Raum um die Völker kommt auch unserer Art der Aufstellung zugute. Wir haben Gruppen von vier Völkern auf einer Palette, wobei jedes Volk eine eigene Flugrichtung hat. Das ergibt bei der Aufstellung am Waldrand für die Völker, die gegen den Wald fliegen einen gewissen Nachteil, der sich aber übers Jahr immer wieder ausgleicht. Seit Jahren bringen die Völker an einem unserer Stände, der dem Wind am stärksten ausgesetzt ist, überdurchschnittlich viel Honig.

Bild 2

Der Monat Februar kann aber auch ein ganz anderes Gesicht zeigen (Bild 2). Anfang Februar 2010 hatten wir sehr mildes sonniges Wetter. Die Völker konnten mehrere Tage in Folge fliegen. Die Bienen nützen bei diesen Bedingungen jede Sekunde und besuchen die früh blühenden Pflanzen und tragen frischen Pollen ein. Vor allem Haselnuss, Erle, frühe Weiden, aber auch andere Pflanzen wie der Winterling werden beflogen (Bild 3).

Bild 3

Obwohl an den Bienenvölkern nichts zu tun ist, treibt uns das gute Wetter in der Vorfreude auf das Frühjahr hinaus und wir schauen kurz in das eine oder andere Volk. Der kurze Blick auf das Volk lässt die ersten Schlüsse darauf zu, was für die weiteren Monate zu planen ist. So wie im Frühjahr 2010 (Bild 4) werden bei uns diesen Februar leider nicht alle Völker aussehen. Das lässt sich nach dem schwierigen Sommer 2011 leicht voraussagen.

Bild 4

Bei uns in Oberschwaben ist mit der ersten Tracht aus Weiden oder aus der wilden Kirsche erst in 6 bis 8 Wochen zu rechnen. Wer im Frühgebiet entlang von Rhein und Neckar Bienen hält, muss jetzt schon mit der beginnenden Entwicklung der Völker rechnen. Bei guter Volksstärke steht vielleicht schon zum Monatsende die erste Erweiterung an. Auf jeden Fall sind die Futtervorräte in den Völkern im Auge zu behalten. Das mehr an Flugtagen und die höheren Temperaturen bescheren den Völkern auch bereits Nektar, der zum Teil von ganz unscheinbaren Pflanzen wie der Vogelmiere stammt. Aber die Futtervorräte sollten auch in den Jahren ausreichen, wenn die frühe Nektartracht nicht so ergiebig ist.

Die vonseiten der Bienen aus gesehen ruhigen Wochen kurz vor Beginn der neuen Saison bieten sich dafür an, auf die Leistung der Völker des vergangenen Jahres zurückzublicken. Wer, wie wir, im Herbst seine Völker umweiselt, hat im letzten Sommer schon eine Auswahl treffen müssen. Jetzt kann man aber die Daten noch einmal detailliert analysieren und die Schwerpunkte für die nächsten Zuchtjahre überdenken. Wenn man eine Belegstelle betreut oder selbst instrumentell besamt, gilt es, jetzt nicht nur die Auswahl der Drohnenvölker für die kommende Saison zu überprüfen, sondern auch schon die Auswahl für das nächste Jahr ins Auge zu fassen.

Es ist jetzt auch an der Zeit, um den Besuch von Belegstellen vorzubereiten. Wer seine Jungköniginnen auf eine Belegstelle bringen will, muss häufig jetzt schon seinen Bedarf anmelden. Besonders begehrte Belegstellen oder solche, die außergewöhnliche Drohnen bieten, sind oft schon früh ausgebucht. Eine gute Vorbereitung erleichtert es auch einem selbst, die für die Heranzucht der Königinnen notwendigen Termine einzuhalten. Den Belegstellenleitern bzw. den Besamungsstellen wird die Arbeit dadurch ebenfalls erleichtert, weil sie den Bedarf rechtzeitig planen können.
Zur Vorbereitung der Zuchtarbeit gehört auf jeden Fall, sich über die Vielzahl von Zuchtköniginnen und die Möglichkeiten, die sich durch die vielen verschiedenen Belegstellen bieten, im klaren zu sein. Das Angebot in der Carnicazucht einschließlich dem Angebot der AG Toleranzzucht ist im Internetportal www.beebreed.eu, mit dem die Daten der Zuchtwertschätzung öffentlich zugänglich gemacht werden, dokumentiert. Für die Zucht der Buckfastbiene finden sich viele Informationen auf der Seite von Jean-Marie VanDyck. Arbeitet man mit der Dunklen Biene, kann man sich, soweit ich weiß, nicht so zentral informieren. Hierzu, wie für die anderen Zuchtrichtungen selbstverständlich auch, kann man sich bei den verschieden Zuchtverbänden oder direkt bei den jeweiligen Züchtern informieren.

Leider ist bei uns im Südwesten Deutschlands die Anzahl der Belegstellen sehr überschaubar. Ein paar mehr könnten vielleicht schon betrieben werden. Es ist kein Muss, weil die freie Begattung über die letzten Jahrzehnte immer besser wurde. Das ist der Verdienst der vielen züchterisch aktiven Imker, die über Belegstellen und Besamung einen Grundstock an ausgewählt guten Bienen heranzüchteten. Über die Zuchtstoffabgabe in den Vereinen wurden gute Bienen überall leicht verfügbar. Dadurch haben wir heute eine Situation, dass die Anpaarung der Königinnen am eigenen Stand oder vielleicht auch an einem ausgewählten Standort in der näheren Umgebung wichtige Eigenschaften wie die Sanftmut nicht wesentlich beeinträchtigt. Die Vielfalt der Drohnen, die sich an der Begattung beteiligen, fördert dafür zusätzlich die Vitalität und die Leistungsfähigkeit der Bienenvölker.
Trotzdem ist die kontrollierte Anpaarung über Belegstellen oder Besamung aus der Bienenzucht nicht wegzudenken. Das gilt in besonderem Maß für die Varroatoleranz der Bienenvölker, die über ihr Hygieneverhalten erzielt wird. Die dafür verantwortliche Gruppe von Eigenschaften wird rezessiv vererbt und kommt im Volk nur dann gut zur Ausprägung, wenn sowohl Königin als auch Drohnen darüber verfügen.

Bild 5

Ein Beispiel für die erfolgreiche Nutzung einer Landbelegstelle ist die Buckfastbiene. Wenige Jahre nachdem Br. Adam Kehrle die Imkerei von Buckfast Abbey, South Devon, übernommen hat, hat er seine Belegstelle im Dartmoor eingerichtet (Bild 5). Sie liegt 11 km Luftlinie entfernt nordwestlich von Buckfast Abbey und ist Dreh- und Angelpunkt seiner Bienenzucht. Der Schutz vor fremden Drohnen bildete hier weniger die Distanz zu anderen und auch seinen eigenen Völkern als die Unwirtlichkeit des Dartmoors. Es ist häufig windig und kühl. So häufig, dass in manchen Jahren ganze Serien von Jungköniginnen nicht oder nur schlecht begattet wurden.

Der zweite und nicht weniger wichtige Teil seiner Zuchtarbeit ist seine konsequente Selektion auf Leistungsfähigkeit mit besonderem Augenmerk auf die Krankheitsresistenz von Biene und Bienenvolk. Für die Selektion führte Br. Adam 320 Wirtschaftsvölker, die ab 1930 einheitlich in modifizierten Dadantbeuten mit 12 Waben im Brutraum gehalten wurden. Nach der Vorprüfung in den kleinen Begattungsvölkchen erfolgte hier die Prüfung der Verhaltens- und der Leistungsmerkmale. Der Ertrag durch die Wirtschaftsvölker sorgte dafür, dass Br. Adam die Imkerei innerhalb der Wirtschaftsbetriebe von Buckfast Abbey unabhängig halten konnte. Zusätzlich erwirtschaftete er auch die Mittel, um in vielen Reisen verschiedenste lokale Variationen der Honigbiene zu sichten. Die Bienenproben, die er auf seinen Reisen gesammelt hat, bildeten Jahre später den Grundstock für die morphologischen Untersuchen, an Hand derer F. Ruttner die Naturgeschichte unserer westlichen Honigbiene erschloss.

Besonders ausgewählte Herkünfte hielt Br. Adam in seinem Betrieb. Über Versuchskreuzungen suchte er dann nach den besonders geeigneten Kombinationen, welchen seine eigene Biene in Verhalten und Leistung verbesserten. Am Ende hinterließ er uns eine Biene (Bild 6), die, wie F. Ruttner (ADIZ, Oktober 1996) in seinem Nachruf zum Tod von Br. Adam 1996 schrieb, absolut erbfest, friedlich und leistungsfähig ist.

Bild 6