Januar

Liebe Leser, ich wünsche euch und euren Bienenvölkern ein gesundes und erfolgreiches Neues Jahr.

Nach einem - das meine zumindest ich - für unsere Bienenvölker sehr guten Jahr 2011, darf es 2012 genauso gut oder aber noch etwas besser werden.

Bevor ich mich selbst und unsere Imkerei kurz vorstelle, möchte ich alle jene, die die Restentmilbung noch nicht durchgeführt haben, dringend daran erinnern. Wenn es über Weihnachten nicht zu warm war, ist Anfang Januar die letzte Möglichkeit, die Restentmilbung an brutfreien Völkern vorzunehmen. Sonst empfiehlt es sich, die Völker brutfrei zu machen. Das geht durch die Entnahme der Waben mit verdeckelter Brut oder durch das Öffnen der verdeckelten Brut. Mit der nächsten wärmeren Periode im Januar gehen die Völker auf jeden Fall in Brut und die Restentmilbung wird nicht leichter. Einige wärmere Tage wären durchaus wünschenswert, dass die Bienen einen Reinigungsausflug machen können. Der Winter kann noch lange dauern.Für die Entmilbung gibt es verschiedene Möglichkeiten. Oxalsäure oder Perizin (Anm. d. Red. Perizin wird nicht mehr vertrieben) wird mit feinem Strahl auf die Bienen geträufelt, 15 %ige Milchsäure auf die mit Bienen besetzten Wabenseiten gesprüht.

Für mich ist das Mittel der Wahl die Oxalsäure. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt werden die Völker geöffnet. Die eng sitzenden Bienen in den Wabengassen werden mit einem feinen Strahl einer Oxalsäuredihydratlösung (3,5 % (m/m) in Zuckerlösung) beträufelt. Je nach Volksstärke setzt man zwischen 30 ml und 50 ml Oxalsäurelösung ein. Bei Völkern, die auf zwei Magazinen sitzen, ist es notwendig, die Magazine zu trennen, um auch die Bienen in den Wabengassen des unteren Magazins zu erreichen.

Nun einige Informationen zu meiner Person und zu unserer Imkerei.

Ich bin in Ravensburg geboren und aufgewachsen und inzwischen 50 Jahre alt. Ich habe drei Kinder, die zwischen 16 und 23 Jahre alt sind. Ich habe in Tübingen unter anderem auch bei Prof. Engels Biologie studiert. Seit drei Jahren bin ich nur noch Imker.

1976, ich ging noch zur Schule, begann ich mich aktiv an unserer Imkerei zu beteiligen - besser gesagt, ich wurde als Helfer mitgenommen. Im Sommer 1977 und 1978, also gleich zu Beginn meiner Imkerlaufbahn, verbrachte ich zusammen mit Josef Knoblauch und Alexander Wolf mehrere Wochen als Helfer bei Br. Adam in Buckfast Abbey. Anschließend beteiligte ich mich, wenn es Schule, Wehrdienst oder Studium zu ließen, an unserer Bienenhaltung.

Mein Vater, Franz Fehrenbach, hat unsere Imkerei zusammen mit seinem Bruder Alfons und Karl Knoblauch aufgebaut. Konrad Fink aus Biberach vermittelte 1961 den ersten Kontakt zu Br. Adam Kehrle, Buckfast Abbey. Br. Adam ist in Mittelbiberach bei Biberach geboren und hat seine Verbundenheit mit seiner Heimat und seiner Familie nie aufgegeben. Wann immer es die Möglichkeit gab, traf sich mein Vater mit Br. Adam, um sich Tipps und Anregungen zur Bienenhaltung und später zur Zucht zu holen. Das führte zwangsweise dazu, dass auch wir Kinder (Bild 1: hier meine ältere Schwester und ich), mit Br. Adam und Diskussionen über bessere Betriebsweisen und bessere Bienen in Berührung kamen, obwohl wir von der Imkerei nur wussten, dass Honig süß ist und Bienen auch stechen können.

Bild 1

Mein Vater machte seinen ersten Gehversuchen in der eigenen Imkerei mit der Hohenheimer Wanderbeute, wie sie Dr. Sachs verwendet hat. Gleich nachdem er Br. Adam kennengelernt hat, hat er umgestellt und die Imkerei mit der Buckfast-Biene und nach der Betriebsweise von Br. Adam geführt. Wir imkern heute immer noch mit Magazinbeuten im modifizierten Dadantmaß mit 12 Waben im Brutraum.

Anstelle der Ablegerbeuten von Br. Adam mit Rähmchen in Halbdadant (volle Höhe, halbe Breite) wählte mein Vater Langstrothbeuten, die ebenfalls 12 Waben fassen. Das Langstrothsystem dient(e) in erster Linie der Königinnenzucht und der Ablegerbildung, lässt aber auch eine rationelle Honigproduktion zu. Für die Ableger verwenden wir Ablegerkästen, die sechs Brutwaben (Langstroth bzw. Dadant) fassen.

Damit beschicken wir unsere Belegstelle in den Allgäuer Alpen, die wir seit 1971 unterhalten (Bild 2).

Bild 2

Während wir noch in den 1990iger Jahren viel mit unseren Völkern gewandert sind, sind Wanderungen inzwischen eher die Ausnahme. Nur wenige Völker werden zur Bestäubung in Süßkirschenanlagen eingesetzt. Wenn es sich ergibt, im Sommer in die Tannentracht zu nutzen, wandern wir natürlich auf die Schwäbische Alb oder in den Schwarzwald. Unsere Standplätze in den Landkreisen Ravensburg und Biberach liegen 500 bis 700 Meter hoch. Die Völker entwickeln sich in dem raueren Klima 2 bis 3 Wochen später als an Neckar und Rhein.

Unsere Imkerei ist auf die Honigproduktion ausgerichtet. Die Königinnenzucht dient in erster Linie der Produktivität unserer Völker. Die Honigvermarktung erfolgt nahezu ausschließlich über Großabnehmer.

Meine persönlichen Erfahrungen in der Imkerei beschränken sich auf die Bienenhaltung nach Br. Adam (Bild 3: Zu Besuch in Buckfast Abbey, 1994), ergänzt durch einen kurzen Ausflug in die Imkerei mit der Hohenheimer Wanderbeute für meine Diplomarbeit.

Bild 3
Bild 4


An den Bienenvölkern ist im Januar ansonsten nicht viel zu tun. Auf jeden Fall müssen nach heftigen Winterstürmen die Bienenstände kontrolliert werden (Bild 4). In der Freiaufstellung ist es immer möglich, dass ein Volk aufgedeckt wird oder ein Ast oder gar ein ganzer Baum auf die Völker stürzt.

In Gegenden, in welchen der Specht sich an den Beuten zu schaffen macht, kontrolliert man gleichzeitig, ob die Abwehrmaßnahmen ausreichen.

Wenn es im Januar so warme Tage gibt, dass die Bienen einen Reinigungsflug machen können, dann gilt die Kontrolle den Fluglöchern, dass sie nicht von toten Bienen verstopft sind. Das kann immer wieder passieren, wenn die Bienen lange nicht geflogen sind. Wer weiß wie lange der Winter anschließend noch anhält, da ist jeder Flugtag wertvoll.

Bild 5

In manchen Jahren tritt eine längere Warmwetterperiode ein und oft beginnt die Haselnuss zu blühen. Dann öffnen wir die Völker und kontrollieren den Sitz der Bienen. In manchen Fällen sitzen die Völker auf einer Seite des Kastens (Bild 5) und haben dort sicher schon einen Teil des Futtervorrats verbraucht. Das betrifft oft schwächere Völker, die mit ihren Bienen nur wenige Waben wärmen können. Mit beginnender Bruttätigkeit und anschließender extremen Kälte, gehen die Vorräte in der direkten Umgebung schnell aus. Die Völker reißen vom Futter ab. Das passiert aber nicht nur schwachen Völkern, sondern auch stärkeren Völkern, wenn das Flugloch nicht nach Süden orientiert ist. Wenn eine Korrektur nötig erscheint, wird der Bienensitz in Richtung der Kastenmitte verschoben und Futterwaben werden links und rechts davon platziert.

Wenn man, wie wir, viel Material für das Frühjahr und den Sommer vorbereiten muss, sollte man sich jetzt Zeit dafür nehmen. Wenn ein beheizbarer Raum zur Verfügung steht, kann man auch schon Rähmchen mit Mittelwänden versehen.

In unserer Imkerei kümmert sich mein Onkel immer noch um die Beuten und Aufsätze, während ich die benötigten Rähmchen vorbereite. Für Bruträume werden neue Rähmchen zusammen genagelt und gedrahtet. In älteren Rähmchen, aus welchen die alte Wabe aus geschmolzenen wurde und die anschließend gewaschenen wurden, wird der Draht vor dem Einlöten der Mittelwand nur nachgespannt.

Bild 6
Bild 7


In unseren Honigräumen (Halbdadant) verwenden wir keinen Draht. Die Mittelwände werden einige Zeit vorher auf Raumtemperatur (24 °C) gebracht. Zur Befestigung im Rähmchen wird eine Mittelwand oben und unten in Sägeschnitte gesteckt (Bild 6). Um sie dort zu fixieren, wird sie mit flüssigem Wach angegossen. Das verflüssigte Wachs wird mit Hilfe eines hohlen Rohres, das unten einen kleinen Auslass hat, an den Übergang von Mittelwand zu Rähmchen gegossen (Bild 7).

Wer auch seine Beuten von Grund auf selber baut oder als Bausatz kauft, für den gibt es gar keine ruhige Zeit, denn erfahrungsgemäß ist der Winter unerwartet schnell vorüber. Gut, wer das benötigte Material schon zu Hause hat.

Alle diejenigen, die ihren Honig gut vermarktet haben und ihre Produktion ausweiten wollen, sollten sich spätestens jetzt Gedanken machen, ob es mit der intensiveren Haltung und gegebenenfalls Wanderungen der Völker getan ist. Besteht die Möglichkeit mehr Völker zu halten, müssen Beuten, Rähmchen, Mittelwände und das übrige Material vorbereitet werden, um im Mai und Juni neue Völker unterzubringen.