Juni

Bei uns in Oberschwaben beginnt Ende Mai, spätestens Anfang Juni die schönste Zeit im Bienenjahr. Der Blütenhonig muss von den Völkern geholt und geschleudert werden. Für die Sortenhonigspezialisten ist das schon zu spät. Kirschblütenhonig, Löwenzahnhonig, Bärlauchhonig muss gleich nach dem jeweiligen Blühende der Trachtpflanzen geschleudert werden, um die nötige Sortenreinheit zu erhalten. Wer mit dem sehr guten Oberschwäbischen Mischhonig zufrieden ist, beginnt später, aber spätestens mit dem Ende der Rapsblüte, zu schleudern. Sehr groß ist die Gefahr, dass der Blütenhonig, vor allem wenn er viel Rapsanteil hat, in den Waben auskandiert und dann nur schwer geerntet werden kann.

Hier muss auch immer wieder der Kompromiss zum optimalen Wassergehalt gefunden werden. Der Honig muss in den Waben reif sein. Wer 2 bis 3 Tage nach Trachtende abwartet und dann erst den Honig von den Völkern nimmt, gewinnt Sicherheit. Bei gutem Bienenbesatz können dann auch unverdeckelte Honigwaben mit entnommen werden. Wer aus Platzmangel schon während der Tracht Honigwaben aus den Völkern nimmt, sollte nur voll verdeckelte Waben nehmen. Zur Kontrolle des Wassergehalts ist es ratsam, bei der Entnahme der Waben am Volk oder aber spätestens beim Schleudern den Wassergehalt mittels eines Refraktometers zu prüfen. Die Bilder 1&2 zeigen ein elektrisches Refraktometer. Für den Komfort beim Ablesen muss der recht hohe Preis in Kauf genommen werden. Das Refraktometer wird mit Wasser vor Gebrauch justiert. Dann muss es sorgfältig getrocknet werden. Anschließend kann der Wassergehalt im flüssigen Honig gemessen werden. Das Refraktometer kann nach der Messung unter fließendem Wasser gereinigt werden. Es gibt aber viele andere und deutlich günstigere Refraktometer im Handel. Die Investition lohnt sich auch mit wenigen Völkern und kleinen Honigmengen. Das Messergebnis weist einen darauf hin, wie mit dem Honig weiter umgegangen werden muss. Für die Abfüllung ins DIB-Glas dürfen 18% Wassergehalt nicht überschritten werden. Aber schon ab 17,5% Wassergehalt besteht die Gefahr, dass der Honig zu gären beginnt. Misst man den Wassergehalt nur in einzelnen Waben, so ist darauf zu achten, dass wirklich verschiedenste Waben und auch dort nicht nur Honig der gut verdeckelten Mitte, sondern auch unverdeckelter Honig im Randbereich gemessen wird. Je nach Volk und Trachtbedingungen kann Honig mit deutlich unterschiedlichem Wassergehalt verdeckelt werden. Herrscht im Raps sehr gute Tracht über mehrere Tage, verdeckeln die Bienenvölker durchaus auch Honig der noch 19% Wassergehalt hat. Zu empfehlen ist eine Kontrolle vor dem Schleudern, um durch trockene Lagerung und gute Belüftung der Honigwaben ein zu viel an Wasser zu mindern, und auf jeden Fall auch eine Kontrolle nach dem Schleudern, um Honige passend mischen zu können. Wer kein eigenes Refraktometer besitzt, kann in den meisten Imkervereinen bei Stammtischen oder Monatsversammlungen, seinen Honig messen lassen.

Bild 1
Bild 2

Vor dem Schleudern (Bild 3) müssen die Honigwaben entdeckelt werden. Wer viel Honig ernten muss, besitzt meist eine Entdeckelungsmaschine. Aber auch die Entdeckelungsgabel oder das Entdeckelungsmesser sind Alternativen, bei frischer Verdeckelung mit Luftpolster unter den Deckelchen auch die Heißluftpistole. Mit der Heißluft und Gabel fallen am wenigsten Abdeckelwachs und Honig an. Bei dem Messer (Bild 4) werden überbaute Waben gleichzeitig sauber auf die Rähmchenstärke zurückgeschnitten.

Bild 3
Bild 4

Bevor der Honig geschleudert werden kann, müssen die vollen Honigwaben aus den Völkern genommen und bienenfrei gemacht werden. Wir entnehmen Honig immer mithilfe der Bienenflucht. Das empfehle ich auch jedem anderen Imker. Selbst bei geringen Völkerzahlen erleichtert es die Arbeit enorm. Ein sinnvoller Einsatz der Bienenflucht setzt aber den Einsatz eines Absperrgitters voraus.

Die Bienenflucht muss mindestens für eine Nacht eingelegt werden. Bienen, die danach noch im Honigraum sind, verlassen auch in einer 2. Nacht kaum den Honigraum. Je länger die Bienenflucht eingelegt ist, besteht auch die Gefahr, dass der Honig ohne Besatz durch Bienen wieder Feuchtigkeit aus der Luft aufnimmt. Die wenigen Bienen, die manchmal nach dem Einsatz der Bienenflucht noch in den Honigräumen sind, können vorsichtig herausgeklopft oder hinaus geblasen werden. Bild 5 zeigt fast bienenfreie Honigräume, die bereit sind zum Wegnehmen. Bild 6 zeigt die Bienen im Aufsatz unter der Bienenflucht. Wir verwenden 2 bis 3 Porter- oder Lega-Bienenfluchten je Zwischendeckel.

Bild 5
Bild 6

Honig sind im Anhänger und können zum Schleudern gebracht werden (Bild 7). Das Abräumen und Laden dauert für eine Person ungefähr eine halbe Stunde.

Wer die Honigentnahme gut plant, kann aus den sich unterhalb der Bienenflucht sammelnden Bienen im gleichen Arbeitsschritt Ableger oder Kunstschwärme bilden. Genauso gut kann man bei der Entnahme von einzelnen Honigwaben die Bienen nicht zurück ins Volk, sondern in einen extra Behälter fegen und ebenfalls für Ableger verwenden.

Bild 7

Für die Beweiselung der Ableger oder Kunstschwärme kann man schlupfreife Weiselzellen oder Königinnen verwenden. Wenn man die nötigen Weiselzellen oder Königinnen nicht zu kaufen, sondern selber heranziehen will, muss vorher eine Zucht angelegt werden. Dafür muss rechtzeitig ein Pflegevolk bebildet werden. Das kann, wie im Mai beschrieben, der Sammelbrutableger sein, der aus den zur Schwarmverhinderung entnommen Waben gebildet wurde.

Bild 8 zeigt starke Pflegevölker, wie sie Br. Adam in Buckfast Abbey benutzt hat. Man kann aber auch einen weisellosen Starter oder Anpfleger bilden und die angepflegten Weiselzellen im weiselrichtigen Volk über dem Absperrgitter fertig pflegen lassen. Ich will hier ein Verfahren im weisellosen Volk beschreiben, wie wir es nutzen. Es wird ein normal starkes bis starkes Volk ausgewählt. Vor der Bildung des Pflegevolks wird die Königin gesucht und in einen neuen Kasten mit anderer Flugrichtung zur Seite gestellt. Der Brutraum des Volkes (bei Völkern mit zwei Bruträumen einer der beiden) bleibt an seinem Platz stehen. Die nicht bebrüteten Waben werden beim Pflegevolk belassen. Es darf keine offene Brut, auch keine Drohnenbrut, im Pflegevolk bleiben.

Bild 8

Die Brutwaben werden zu der Königin in den zur Seite gestellten Kasten gehängt. Von den Brutwaben werden ungefähr 2/3 der Bienen, vorzugsweise von den Waben mit offener Brut in das Pflegevolk abgefegt. So erhält man einen Überschuss an Ammenbienen. Zusätzlich bekommt das Pflegevolk auch alle Flugbienen. Auf Bild 9 ist am rechten Rand das Pflegevolk (Bild 10) zu sehen. In der Mitte bleibt Platz, um später den Zuchtrahmen mit den Edellarven einhängen zu können. Links von der Bildmitte ist der Brutraum mit Brut, Königin und wenigen Bienen zu sehen. Erst durch die laufend schlüpfende Brut nimmt die Bienenmasse langsam wieder zu. Statt eines Brutraums können auch Aufsätze für das Pflegevolk verwendet werden. Auch hier entnimmt man Waben, damit später der Zuchtrahmen eingehängt werden kann.

Bild 9
Bild 10

Bild 11 zeigt ein Pflegevolk, das in Aufsätzen gebildet wurde. Der durch den Abstandsrechen für Dickwaben vorgegebene größere Wabenabstand spielt bei der Annahme der Larven keine Rolle. Die Pflegevölker sollten genügend Vorräte und auch leeren Raum haben, um bei Tracht nicht sofort den Zuchtrahmen zu verbauen. Bei schlechter Tracht oder ohne Tracht muss unbedingt mit Honiglösung gefüttert werden.

Nach ungefähr 2 Stunden Weisellosigkeit gibt man den Zuchtrahmen mit den frisch umgelarvten Weiselnäpfchen in das Pflegevolk. Das oben beschriebene Verfahren sollte auch bei starker Honigtautracht zu einer guten Ausbeute an Zellen führen. Bei uns sind es in der Regel 40 Weiselzellen, die fertig gepflegt werden. Ist sehr starke Honigtautracht, was im Juni oder Anfang Juli nicht selten ist, müssen die Weiselzellen nach dem Verdeckeln in einen schwächeren, weisellosen Ableger gehängt werden. Ich verwende dazu 4 Waben Bienen (wenig Flugbienen!) und eine oder zwei Waben mit offener Brut, um die Temperatur gleichmäßig zu halten. Im starken Pflegevolk werden die Weiselzellen sonst gerne verbaut, oder was noch schlimmer ist, selbst kurz vor dem Verschulen noch abgetragen.

Bild 11

Wir verschulen unsere Weiselzellen am 14. Tag nach der Eiablage bzw. am 10. Tag nach dem Umlarven. Durch das Umlarven von ungefähr 12 Stunden alten Larven hat man die Gewähr, dass keine Königin vorzeitig schlüpft (Bild 12). Die schlupfreifen Weiselzellen kommen direkt in den Ableger, wo dann die Jungkönigin schlüpft. So lange bringen wir die Ableger in der Regel in einen Kühlraum. Dadurch vermeiden wir Verflug unter den Ablegern, der gerne erfolgt, solange die einzelnen Ableger noch zu keiner Einheit gefunden haben.

Bild 12