Mai

Im Monat Mai beginnt die intensive Zeit der Imkerei. Jetzt sollte man mindestens einmal in der Woche seine Völker kontrollieren. Die Völker erreichen im Mai einen ersten Höhepunkt in ihrer Entwicklung. Die maximale Volksstärke wird von einem nicht schwärmenden Volk zwar erst Mitte Juni erreicht, aber die Aufwärtsentwicklung geht doch ab Ende Mai deutlich langsamer. Nicht zuletzt deshalb, weil Brutaufzucht und Tracht den Bienen viel Leistung abfordern und sie deshalb nur kurz aber intensiv leben.

Die Aufwärtsentwicklung der Völker weckt auch den Drang der Völker zur Vermehrung. Gemeinhin wird dieser Wunsch nach Vermehrung als Schwarmtrieb bezeichnet. Der Schwarmtrieb an sich ist nichts Negatives. Wenn man seine Völker nicht in der Stärke an die Bereitschaft zur Vermehrung heranführt, kann man auch keine sehr guten Honigerträge erwarten. Mit der Zunahme der Volksstärke beginnen die Bienen Weiselwiegen oder Spielnäpfchen anzulegen. In dem Beitrag von Pia Aumaier in der Märzausgabe der Bienenpflege sind sie auf dem Bild am Wachsanbau am Absperrgitter gut zu erkennen. Wer über Maßnahmen zum Schröpfen wie die Bildung von Sammelbrutablegern den Schwarmtrieb kontrollieren will, sollte spätestens jetzt - lieber aber schon früher - mit der Entnahme von verdeckelten Brutwaben aus den Völkern beginnen. Diese Waben kann man auf einem schwächeren Volk am Stand über dem Absperrgitter sammeln. Wenn, und das wird fast immer der Fall sein, auch offene Brut auf den Waben ist, müssen diese Waben nach einer Woche auf Nachschaffungszellen kontrolliert werden. Wie man die Bienen, die im Sammelbrutableger schlüpfen weiterverwendet, hängt von der Situation ab. Wer Zugang zu begatteten Königinnen hat, kann die Bienen aufteilen und die Ableger mit diesen beweiseln. Genauso geht es mit schlupfreifen Weiselzellen, die man den Ablegern nach der Bildung gibt. Wer selber seine Königinnen heranzieht, kann den Sammelbrutableger vom Volk nehmen und als weiselloses Pflegevolk eine Serie von Jungköniginnen heranziehen lassen.

Immer sollte man die brutlose Phase im Aufbau des Ablegers nutzen, um mit z.B. 15%iger Milchsäure die auf den Bienen sitzenden Varroamilben zu bekämpfen. Alle Ableger, die man vor Mitte Juni erstellt, wachsen problemlos zu winterfesten Völkern heran und sichern so den Volksbestand ab.

Bild 1
Bild 2

 

Sind bei der Schwarmkontrolle im Volk schon belegte Weiselnäpfchen (Bild 1) oder deutlich angepflegte Weiselzellen (Bild 2) zu erkennen, ist das Volk in der akuten Phase der Schwarmvorbereitung. Bei frisch bestifteten Weiselnäpfchen wird der vorher abgerundete Rand des Spielnäpfchens fein nach unten ausgezogen. Mit dem Heranwachsen der Larve wird dann die Zelle immer länger ausgezogen. Gleichzeitig sieht man auf Bild 2, wie die Oberfläche des eingelagerten Pollens durch die beginnende Abdeckung mit frischem Honig glänzend wird. Die Bienen konservieren ihre Pollenvorräte, da durch die nachlassende Bruttätigkeit in der Vorbereitung auf den Schwarm weniger Pollen verbraucht wird. Ein weiteres Anzeichen, dass sich ein Volk aufs Schwärmen vorbereitet, ist die ebenfalls nachlassende Bautätigkeit. In Baurahmen wird nur noch zögerlich weitergebaut. Die untere Wabenkante verliert ihr scharfes Profil und wird abgerundet. Jetzt reicht ein sanftes Schröpfen nicht mehr aus. Um den Schwarm jetzt noch zu verhindern, hilft nur starkes Schröpfen oder die Entnahme der Königin. Alle Waben im Brutraum oder den Bruträumen müssen auf weitere Weiselzellen untersucht werden. Sehr gerne werden sie auf den Außenseiten der Außenwaben weit weg vom eigentlichen Brutnest angelegt.

Wir beginnen unsere Schwarmkontrolle mit dem Einsatz von möglichst vielen jungen Königinnen. Völker mit Königinnen in ihrem ersten Leistungsjahr haben normalerweise eine deutlich geringere Schwarmneigung. Wenn diese auch noch aus Zuchtlinien stammen, die genetisch verankert eine geringe Schwarmneigung aufweisen, müsste man fast gar nicht nachschauen. Wir beobachten die Bauleistung der Völker und kontrollieren anhand von Stichproben in Völkern mit alten Königinnen oder Königinnen, die aus Kreuzungen mit erhöhter Schwarmneigung stammen, ob Schwarmtrieb einsetzt. Das ist von Standort zu Standort sehr unterschiedlich. Neben dem Alter und der genetischen Disposition spielt unserer Meinung nach auch das Zusammenspiel von Volksentwicklung und Tracht eine große Rolle. Sind die Völker schon vor dem Einsetzen der ersten Massentracht - bei uns der Raps ca. Mitte Mai - zu nahe an ihren Höhepunkt entwickelt, ist der Schwarmtrieb stärker als bei Völkern, die ihren Höhepunkt erst während der Massentracht erreichen. Bei uns wird dann eine Kontrolle aller Völker durchgeführt, wenn bei den Stichproben vermehrt Schwarmtrieb

bemerkt wird oder aber spätestens, wenn während der Rapstracht eine Schlechtwetterperiode einsetzt. Plötzliche Untätigkeit kann auch an sich schwarmträge Völker in Versuchung bringen. Wenn wir für die Kontrollen viel Zeit haben, werden auffällige Völker durch die Bildung von Ablegern geschröpft (Bild 3).

Bild 3


Wenn wir wenig Zeit zur Verfügung haben, werden die Völker zügig durchgeschaut und nur die Weiselzellen entfernt. Das Entfernen der Weiselzellen ist im besten Fall eine Verschiebung aber keine Verhinderung des Schwarmtriebs. In manchen Jahren werden die Völker durch die erneut einsetzende Tracht vom Schwarmtrieb abgelenkt. In anderen Jahren müssen die Völker noch ein- oder zweimal auf Schwarmzellen kontrolliert werden. Ob dies nötig ist oder nicht entscheiden wir wieder aufgrund von Stichproben bei bereits auffälligen Völkern. Bei aller Umsicht lässt sich der Schwarm doch nicht immer verhindern. Bild 4 und 5 wurde auf einem Außenstand der Imkerei von Br. Adam, Buckfast Abbey, aufgenommen. Ein Schwarm - wenn er dann auch noch so leicht zu fassen ist - erfreut jedes Imkerherz.

Bild 4
Bild 5


Auf jeden Fall schwarmfördernd wirkt es, wenn den Völkern zu wenig Platz für Brut und Honig gegeben wird. Diesen Raum muss vom Imker rechtzeitig zu Beginn der Aufwärtsentwicklung der Bienenvölker gegeben werden. Gerade bei unseren, mit 12 Waben im Brutraum recht breiten Kästen, runden die Völker viel lieber ihr Brutnest nach oben ab, bevor im Brutraum weitere Waben zum Rand hin integriert werden. Das Warten darauf, dass der Brutraum auch nach außen hin gut mit Bienen gefüllt ist, führt dazu, dass auch auf den zentralen Brutwaben Honigkränze angelegt werden, die dann die Entwicklung nach oben behindern können. Die Bilderserie Bild 6 bis Bild 11 zeigt ein Volk in der Blütentracht.

Bild 6
Bild 7


Bild 6 ist ein Blick in den Brutraum. Der besteht bei diesem Volk aus zwei Räumen im Langstrothmass. Die Brutraumwaben sind auch zum Rand hin voll mit Brut belegt. Der Blick in den ersten Honigraum über dem Absperrgitter (Bild 7) zeigt gut ausgezogene Dickwaben, die mit Honig gefüllt sind und auch schon zum Teil verdeckelt sind. Im ersten Honigraum wird von den Bienen gerne der untere Teil der Waben als Abschluss vom Brutnest freigehalten. Auch wird in den Tagen ohne Tracht hier wieder eingelagerter Honig entfernt, um die Brut zu füttern. Erst gegen Ende der Tracht, wenn nach oben nicht mehr so stark gebaut wird, wird hier Honig eingelagert und verdeckelt.

Bild 8
Bild 9


Die Honigräume 2 (Bild 8) und 3 (Bild 9) sind sehr gut gefüllt und kurz vor der kompletten Verdeckelung. Diese könnten, wenn nicht gerade starke Trachttage sind, schon zum Schleudern weggenommen werden. Eine Kontrolle des Wassergehaltes ist trotzdem nötig, da bei starker Tracht auch nicht ganz so trockener Honig von den Bienen verdeckelt wird. Bei vielen Waben mit offenem Honig muss auf jeden Fall bis einige Tage nach Ende der Tracht gewartet werden. Auch der 4. Honigraum (Bild 10) wird gefüllt. Besonders die Waben zum Flugloch hin sind schon ausgezogen, aber hier ist der Honig noch nicht verdeckelt. Der 5. Honigraum ist unser Schaufenster ins Bienenvolk. Wenn von den Bienen, wie hier zu sehen ist, die Mittelwände ausgebaut werden, kann man davon ausgehen, dass das Volk in bestem Zustand ist und auch von Schwarmstimmung keine Rede sein kann. Um dieses Schaufenster ins Volk richtig nützen zu können, geben wir ab dem 3. Honigraum immer Mittelwände. Diese helfen auch, dass bei nicht so guter Tracht, nicht überall nach oben Honig getragen wird, sondern ohne Bauanreiz die bereits ausgebauten Honigraumwaben zum Brutraum hin zuerst richtig gefüllt werden.

Bild 10
Bild 11


Imkereien die Sortenhonige ernten wollen und intensiv Wandern, haben schon ein oder zwei Mal Honig entnommen und wandern ihre Völker jetzt Richtung später Raps oder in die Robinie. Auch gilt es, die Trachtaussichten bei der Fichte im Auge zu behalten. Die Lecanie kann durchaus auch schon Mitte Mai kräftig zu honigen beginnen.