Nachlese

„Ein Berufsimker informiert“ Vortrag von Ramunas Lange bei der JHV
am 21.01.2017 in Holzgerlingen


Zum Veranstaltungsauftakt hat sich die Vorstandschaft von Buckfast Süd nicht lumpen lassen und sich als Redner den vielen bekannten Berufsimker Ramunas Lange aus Brandenburg eingeflogen. Als ausgesprochenen Praktiker mit reichem Erfahrungsschatz in der Imkerei hat sich das Ehepaar Lange vor etwa 12 Jahren dazu entschlossen das Honiggeschäft im Haupterwerb zu betreiben.
Nach eigenen Angaben sind sie bisher immer noch nicht pleite und einige Angestellte wirtschaften ebenfalls in ihrer offensichtlich gut geführten Imkerei mit – scherzt der Berufsimker.

Bereits am Abend vor der Jahreshauptversammlung hatten Mitglieder welche ebenfalls eine Nacht zuvor angereist waren die Möglichkeit, Ramunas in lockerer Atmosphäre kennenzulernen und sich mit ihm auszutauschen.
Dies wurde von einigen auch intensiv genutzt.

Nach einer etwas längeren Jahreshauptversammlung mit ordentlichem Diskussionsbedarf war dann bald die Bühne frei für Ramunas Vortrag.
Auch runde Tische haben ihre Ecken und Kanten, aber wie besagt ein altes Sprichwort:  „Mit netten Menschen setzt man sich gerne zusammen, mit echten Freunden setzt man sich gerne auseinander!“

Im Gegensatz zu vielen seiner Berufskollegen setzt die Imkerei Lange mit ihren rund 320 Ertragsvölkern nicht voll und ganz auf Technik. Ladekräne, LKW oder vollhydraulische Hebeeinrichtungen sucht man bei ihnen vergebens. Er vertraut voll auf menschliches Fingerspitzengefühl um den Stressfaktor für seine Völker möglichst gering zu halten. Er mahnt dazu an, jede Technik vor einer Anschaffung penibelst auf deren Nutzen zu hinterfragen.

Er wandert klassisch. Mitarbeiter statt Technik. Zwei Sprinter samt Anhänger und 70 Wirtschaftsvölker. Dies ist offensichtlich sein Erfolgsrezept. Nicht zu wandern, sei weder aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll, noch für die Bienen ein Umstand der ihnen zu mehr Vitalität verhilft.

Ramunas stellte ein sehr altes jedoch kaum praktiziertes Verfahren der Duftlenkung auf seinen Wanderung vor. Die Läuterzucker Duftlenkung. Praktiziert wurde dies vor allem in den ehemaligen Kolchosen des Ostblocks. Viele Imker schwören auch heute noch auf diesen Geheimtipp.
Hierbei wird eine Zucker-Blütenmischung von der gewünschten Tracht angesetzt, dessen Nektar möglichst sortenrein geerntet werden möchte. Monofloraler Honig lautet das Stichwort. Die getränkten Blüten werden auf den Anflugbrettern verteilt und die Bienen „schießen“ sich auf die Trachtquelle ein. Es muss allerdings dazu gesagt werden, dass für diese Methode der sortenreinen Honiggewinnung eine sehr große Fläche der gleichen Tracht erforderlich ist.

Für einen optimalen Anflug sollten die Anflugbretter nach Ramunas Aussage bestenfalls immer bis zum Boden reichen.

Für die meisten Imker ist der Raps mittlerweile die wichtigste Tracht des Jahres. Hierbei ist der Winterraps bis zu sieben Mal so attraktiv wie die Sommervariante des Gewächses - gibt er zu bedenken. Der reine Nektarausstoß ist zwei Mal geringer. Für eine gute Nektarproduktion der Pflanze ist ein schwerer Boden die beste Voraussetzung, da das Wasser darin über längere Zeit gespeichert werden kann. Ein versiegen des Nektar während einer Trockenperiode entfällt somit, so Ramunas.

Das Mitspracherecht gegenüber dem Landwirt der seine Felder oftmals rücksichtslos mit Pflanzenschutzmitteln behandelt nimmt mit der Anzahl der Völker welche das Feld bestäuben zu. Der Landwirt hat schließlich einen direkten Nutzen mit einem durchschnittlichen Mehrertrag von rund 20%. Das Ausbringen von Pestiziden am frühen Nachmittag schadet nicht nur dem Imker, sondern auch den Pflanzen des Landwirtes. Hier gilt es generell den Austausch unter den Beteiligten zu suchen.
Trotz der vielen Wanderungen verzichtet Ramunas während dieser ohnehin arbeitsreichen Zeit nicht auf eine Schwarmkontrolle. Schwarmfangkästen von Imkerkollegen hinter den Wanderständen belegen von mancher Schlamperei und die heimischen Imker erfreuen sich an einer kostengünstigen Erweiterung Ihres Bienenstandes. Ramunas zeigte an Bildern etliche Beispiele von Wanderständen nach deren Negativbeispiel man die Völker tunlichst nicht aufstellen sollte. Er tendiert zu einer Einzelaufstellung, niemals direkt auf dem Boden, das Flugloch stets Richtung Osten gerichtet. Die ersten Sonnenstrahlen verschaffen seinen Völkern einen nicht zu unterschätzenden Vorsprung gegenüber anderen Imkern. Die Bienen danken es uns durch einen entsprechenden Honig-Mehrertrag.

Die Anflugbretter bis auf den Boden, so farbig wie möglich gestrichen und der Rücken windgeschützt, somit erkennt man den Profi. Ramunas stellte hier einen interessanten Vergleich auf, indem er die Anflugbretter für wahre Geldspuckautomaten hält. Für derart wichtig hält er deren Verwendung im laufenden Imkereibetrieb.

Nicht nur der Raps sei eine ergiebiges Wanderziel, auch den Buchweizen zählt er zu einer sicheren Trachtquelle, welche er gerne anwandert.

Zum Erstaunen mancher Zuhörer imkert die Familie Lange sowohl mit Dadant mod. als auch mit Deutsch Normal Maß – welches aus Gründungszeiten noch besteht und seiner Frau zu weniger Rückenschmerzen verhilft. Der Anteil an DN Magazinen liegt konstant bei 50%. Jedoch werden auch hier die Völker auf nur einem Brutraum geführt.

Ramunas versucht durch intensive Zuchtbemühungen möglichst nur noch gute und sehr gute Völker zu führen. Dies führt zu gleichem Ertrag an Honig durch weniger Völker und macht weniger Arbeit.

Einwinterungsstärke = Auswinterungsstärke lautet die Maxime. Die Jungvölker sollen auf 10 Waben auswintern. Die Brutnestverengung erfolgt individuell bei jedem Volk. Bienenvölker sind trotz aller Zuchterfolge wilde Lebewesen und lassen sich ohne Negativfolgen für den Imker nichts aufzwingen.
Ramunas hält für seine Völker acht Rahmen Plus Drohnenrahmen im Dadantmaß für eine optimale Brutraumgröße in den Ertragsvölkern. Somit ist auch stets eine Portion Honig  am Brutnest und das Volk muss bei trachtloser Zeit unter Umständen nicht hungern.

Als Indikator für eine Erweiterung belässt er eine Mittelwand hinter dem Schied. Fangen die Bienen an, diese auszubauen, so möchte es mehr Platz und wird entsprechend angepasst. Beim sog. Pressing, wo ein Volk zu eng gehalten wird um den Honigertrag zu maximieren besteht immer die Gefahr, dass ein Volk verhungert - sofern die angewanderte Trachtquelle noch nicht honigt.

Als ganz wichtigen Punkt spricht er die Thermoregulierung des Bien an. Stimmt diese nicht, so müssen sich die Bienen verausgaben und werden kurzlebig. Ein geringerer Honigertrag ist die Folge. Richtiges Imkerhandwerk ist immer eine win win Situation für beide Parteien.

Für eine kombinierte Bekämpfung der Varroa hält er das Schneiden von Drohnenbrut für unerlässlich.

Seine „Rennpferde“ für die kommende Saison schafft er sich bevorzugt über Kunstschwärme, welche er in brutfreiem Zustand mit Oxalsäure behandelt. Seine Altvölker saniert er sich über Sammelbrutableger und einer Behandlung mit Ameisensäure. Als sehr anwenderfreundliches Mittel mit guten Erfahrungen verwendet er seit einigen Jahren die sog. MAQS Streifen. Diese ermöglichen nach seinen Erfahrungswerten ein kontrolliertes bienenfreundliches ausdunsten mit weniger Königinnenverlusten. Die sichere Verdunstung erfolgt zwischen 29,5 C° und 10 C°. Abhängigkeiten vom Luftdruck sind anscheinend nicht gegeben. Jedoch schlägt die Behandlung anders zu Buche als die einfache Variante. Ob Geiz hier geil ist, muss jeder für sich selbst beantworten.

Wie auch immer behandelt wird, ein vorheriges kurzes anfüttern vor der AS-Behandlung (AS gekühlt!) ist auch bei Ramunas Pflicht. Seine Mini Plus Kästchen werden mit Thymol Präparaten behandelt und wintern meist nicht ganz so gut aus.

Bei der Varroabekämpfung mit Ameisensäure kommt es häufig zu Missverständnissen welche er allen Anwesenden nochmal vor Augen führen möchte. Das Schwammtuch stellt für Ramunas eine unwirtschaftliche Schockmethode dar, mit der er eine hohe Königinnenverlustrate verbindet. Der Totenfall an Varroen ist im August mit 200 zu multiplizieren. Sprich, bei 15 gefallenen Parasiten hat man ca. 3000 Milben im Volk.

Vom nun zugelassenen Behandlungsmittel Amitraz hält Ramunas auf Grund der gesundheitsgefährdenden Substanzen für Anwender und bereits aufgetretenen Resistenzen der Bienen nichts.

Bei der letzten Honigernte des Jahres werden die Bienen der Honigräume abgefegt. Hierbei hat es sich in seiner Imkerei bewährt eine Mischung aus drei verschiedenen Völkern zu nehmen. Die Bienen verlieren hierdurch ihren spezifischen Stockgeruch und die Königin wird besser angenommen. Mindestens zwei Kilogramm Bienenmasse sollte es schon sein, je später desto mehr. Hinzu gibt er 1,5 Kg Futterteig welchen er selbst aus einer Mischung von Honig, Puderzucker und Vitamin C herstellt. Der Kunstschwarm kommt anschließend in Kellerhaft und wird mit Oxalsäure varroafrei gemacht.
Nun wird das neue Volk bis zur Einwinterung alle 2-3 Tage mit 500ml 1:1 Zuckerlösung gefüttert. Zuckerlösung verwendet Ramunas stets nur im Frühsommer. Im späteren Verlauf des Jahres reicht er stets Invertsirup damit die Winter- bzw. zukünftigen Frühjahrsbienen entlastet werden.

Er prangerte in diesem Zusammenhang wieder die „Großzügigkeit“ mancher Imker an, welche von der Werbung getrieben auf billige Ware zurückgreifen. Dieses Sirup ist oft nicht richtig aufbereitet und gereinigt, weshalb es unseren Bienen mehr schadet als nützt. Der Sirup muss definitiv glasklar und von bester Qualität sein. Als eine Art Geheimtipp gibt er seinen Völkern seit Jahren Topinamburextrakt mit in das Futter. Dies soll der Vitalität unserer Arbeiterinnen noch bessere „Flügel verleihen“.

Als einen der Kardinalsfehler wird immer noch oftmals zu viel Futter auf einmal bei der Einfütterung gegeben. 20 Kg verteilt auf 3,5 Kg/Woche fördert einen stärkeren Brutansatz und man bekommt auch die Einwinterungsstärke welche man sich wünscht.
Seine Völkerverluste tendieren nach eigenen Angaben mit den beschriebenen Maßnahmen im Jahreslauf im 0,….% Bereich.

Bei der Zucht seiner Königinnen ließ er einblicken, dass er zum umlarven immer eine Mischung aus 20% Wasser und Geleé Royal verwendet.

Er betreibt die Zucht klassisch, mit der so oft vorgestellten Starter/Finisher Methode. Die Zellen belässt er nicht bis zur Erstellung der Begattungseinheiten im Finisher sondern verbringt diese vorsichtig in einen Hühner Inkubator des einfachsten Modells unter. Es muss also nicht immer ein Brutschrank im vierstelligen € Bereich sein…

Bevor er seine schlupfbereiten Weiselzellen in die Minivölkchen gibt, befüllt er diese mit ca. 120g Bienenmasse aus der Schöpfkelle. Was einigen unter Umständen noch nicht bekannt war, ist, dass eine Königin zu Beginn ihres Lebens nur drei Mal brunftig wird. Ramunas kontrolliert daher seine Begattungseinheiten nach 10 und nach 14 Tagen auf Eilage. Sollten nach der zweiten Kontrolle keine Stifte zu sehen sein, gibt er der Mini-Plus Einheit eine neue Zelle hinzu. Für die Begattung wird im Imkereibetrieb auf die Verbandsbelegstelle im Harz gesetzt sowie auf künstliche Besamung. Überwintert werden die Völckchen in 5er, besser in 6er Einheiten.

Als eine weitere Geisel unserer Honigbienen griff Ramunas gegen Ende seiner Rede einen anderen Parasit auf, dieser sich von Südeuropa hoffentlich so lange wie nur möglich von uns fern hält. In Zeiten offener Grenzen und der Globalisierung ist vielleicht nur der Wunsch Vater des Gedankens…der kleine Beutenkäfer.

Zum Schluss seines Vortrages zeigte Ramunas Lange die seiner Meinung nach sieben einflussreichsten Nachlässigkeiten auf, welche man in einer modernen und wirtschaftlichen Imkerei tunlichst unterlassen sollte:

1.    Keine Wanderungen in trachtloser Zeit
2.    Einen zu großen Brutraum (Thermoregulierung)
3.    Zu schnelles Einfüttern d.h. weniger Brutanreiz im Spätsommer
4.    Keine Anflugbretter
5.    Falsche Flugrichtung (Nur Richtung Osten)
6.    Eine unzureichende Entmilbung
7.    Keine Zuchtbemühungen

Ich diesen Punkten ist nur wenig bis nichts hinzuzufügen…
Am besten lernt man von erfahrenen Praktikern. Als solchen haben wir Ramunas Lange in den zwei Tagen kennenlernen dürfen.

Wir danken ihm für seinen offenen Erfahrungsaustausch, welcher in dieser Dimension nicht immer eine Selbstverständlichkeit darstellt.

Alles Gute und viel Erfolg wünscht der Verband der Buckfastimker Süd e.V.

Alexander Dörr, 30.01.2017

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