In Memoriam

Franz Fehrenbach

Meine Ernte ist eingebracht
und das Haus bestellt
nun gehe ich in Frieden.


So die Worte auf der Todesanzeige von Franz Josef Fehrenbach, der am 19. Dezember 2014 im 90. Lebensjahr verstorben ist. Mit ihm verlieren wir einen großen Mann, einen großen Imker und Freund.

Franz Fehrenbach hat uns in seinen zahlreichen Vorträgen immer wieder die wesentlichsten Grundlagen für die Haltung der Buckfastbiene mit ihren Vorzügen nähergebracht, sprich, ihre Schwarmträgheit auszunützen oder auch ihre enorme Brutfreudigkeit. Sein Wahlspruch:

Lieber zwei Tage zu früh aufsetzen, wie ein Tag zu spät. Sehr wichtig sei ein großzügiger Futtervorrat. Es ist eine Biene, die mit weniger Arbeit starke Völker aufbaut und somit auch wesentlich mehr Honig bringt.


Durch seine angeschlagene Gesundheit trat in den letzten Jahren immer mehr sein Sohn Klaus in Vaters Fußstapfen. Franz Fehrenbach aber imkerte bis 2013 noch so gut es ging mit. 2014 erlitt er dann gleich mehrere gesundheitliche Rückschläge, so dass er letztendlich ans Krankenbett gefesselt war.
Noch im Herbst haben ihn einige Vorstands-mitglieder vom Verband der Buckfastimker Süd zu Hause in Ravensburg besucht. Bereits vom bevorstehenden Ableben gezeichnet redete er, wie konnte es anders sein, von den Bienen.
Der erste Vorsitzende der Gemeinschaft der Europäischen Buckfastimker, Magnus Menges, würdigte in seiner Grabrede die großen Verdienste von Franz Fehrenbach um die Buckfastbiene, für deren Verbreitung und auch Haltung er in Deutschland und darüber hinaus maßgeblichen Anteil gehabt hatte. Der Name Fehrenbach werde immer mit Bruder Adam und der Buckfastbiene verbunden bleiben.
Unserem Ehrenmitglied in dankbarer Erinnerung – stand auf der Schleife des Kranzes – den Magnus Menges im Namen der Gemeinschaft der Europäischen Buckfastimker e.V. und des Verbandes der Buckfastimker Süd e.V. an seiner letzten Ruhestätte niederlegte.
Er möge Ruhen in Gottes Frieden

Franz Josef Fehrenbach, Kreisamtsrat i.R.
wurde am 14. Oktober 1925 in Siegelau im Elztal,  als  3. Sohn von Georg und Rosa Fehrenbach geboren.

  • 1939 überträgt ihm sein Bruder Anton die Pflege der Bienenvölker, die er seit einigen Jahren hielt, als er zum Militär eingezogen wurde. Die Bienenkästen waren dreietagige Hinterbehandlungsbeuten im Halben Badischen Maß (240 mm breit x 210 mm hoch). Die Bienen stammten aus lokalen Schwärmen
  • Zu Weihnachten 1942 schenkt ihm sein Bruder das Buch UNSERE BIENEN, Pfarrer August Ludwig, 4. Verbesserte Auflage, Verlag Fritz Pfenningstorff, Berlin, 1937 als Dank für die gute und erfolgreiche Pflege der Bienenvölker.
  • 14.01.1943 bis 08.04.1943 Reichsarbeitsdienst in Biberach an der Riss.
  • 16.04.1943 bis 12.05.1945 Wehrdienst und Kriegsdienst. Zum Kriegsende hin war er Fahrer eines Schützenpanzers beim Generalstab im Sudetenland. Hier nutzt er jede Möglichkeit, um Imker in ihren dort häufig anzutreffenden Gerstung-Bienenhäusern zu besuchen. Er wundert sich über die Bauart der Bienenhäuser im Schwarzwald, deren einziges Fenster gewöhnlich auch noch gegen den Berg gerichtet war.
  • 18.05.1945 bis 23.05.1945 Amerikanische Kriegsgefangenschaft. An-schließend arbeitete er bis in den Oktober hinein auf verschiedenen Bauernhöfen im Allgäu, um der französischen Kriegsgefangenschaft zu entgehen.
    In den Jahren nach Kriegsende bis er nach Veitshöchheim ging, hält er eigene Bienenvölker auf dem elterlichen Hof in Siegelau. Er tritt in einen Briefwechsel mit Pfarrer August Ludwig, Jena. Dieser empfiehlt ihm Ganzrahmen für den Brutraum der Hinterbehandlungsbeuten. Dies führt zu stärkeren Völkern, bei den Landbienen aber auch zu unbändigem Schwarmtrieb.
  • 1950  bis  1952 Obstbaulehre bei Weber, Emmendingen
  • 1952  bis  1953 Fachschule Veitshöchheim
  • 1954  bis  1956 Fachschule Geisenheim
  • 1956  bis  1987 Obstbauberater im Landkreis Ravensburg mit Schwerpunkt Erwerbsobstbau
    Der Konflikt zwischen Obstbauern und Imkern wegen des zunehmend intensiveren Pflanzenschutzes bei gleichzeitiger Erhaltung der Bestäubung lässt sein Interesse an den Bienen wieder aufleben. Er sucht nach einer flexiblen, nicht ortsgebundenen Art der Bienenhaltung. Gleichzeitig vertritt er eine Intensivierung speziell im Apfelanbau, um die landwirtschaftliche Nutzung von Unterwuchs (z.B. Weißklee), der kontaminiert sein kann, zu vermeiden. Er beginnt mit Hohenheimer Wanderbeuten nach Dr. Sachs mit 8 Waben Zander. Als im Südwestdeutschen Imker der Vortrag von Bruder Adam abgedruckt wird, den dieser 1960 in Kassel gehalten hat, wird er auf dessen Arbeit aufmerksam. Er sieht sofort die Ähnlichkeit in der Betrachtung des Bienenvolkes als Organismus und der Brutnestordnung, die zu stören möglichst unterbleiben soll, die Gerstung mit Bruder Adam teilt.

    Kurz darauf hält Konrad Fink, 1. Vorsitzender des Biberacher Imkervereins und enger Freund von Br. Adam  in Biberach einen Diavortrag über seinen  Besuch bei Bruder Adam, Buckfast Abbey Nach dem Vortrag setzt er sich mit Konrad Fink zusammen und weil er den Anfang verpasst hatte nimmt Konrad Fink ihn mit zu sich nach Hause und zeigt ihm die Bilder noch einmal. Das trägt ihm noch eine Vermisstenmeldung ein. Da es in dieser Nacht sehr dichten Nebel hatte und wegen seines langen  Ausbleibens, wurde ein Unfall vermutet.

    Konrad Fink versorgte ihn mit dem ersten Zuchtstoff von Buckfastköniginnen, die er auf der Biberacher Vereinsbelegstelle begatten ließ. Er verschaffte ihm auch den ersten persönlichen Kontakt zu Br. Adam bei dessen Heimaturlaub in Mittelbiberach. In den folgenden Jahren beschäftigt er sich mit Biene und Betriebsweise von Br. Adam. Br. Adam bringt ihm Musterbeute und Rähmchen mit für den ersten Nachbau seiner Dadantbeute.Die Propagierung von Biene und Beute bringt ihm Anfeindungen verschiedener Imker ein, gewürzt unter anderem mit mehreren Anzeigen bei der Polizei. Aber sie machen seine Arbeit auch über die Region hinaus bekannt.
    Als Bruder Adam 1962 mit einem zerbeulten Fahrzeug aus Kleinasien nach Mittelbiberach kommt, bietet sich Franz Fehrenbach als Fahrer bei Besuchen in Deutschland und für eventuelle weitere Fahrten zur Bienensuche an.
  • Aufbau der Imkerei in Ravensburg mit Wirtschaftsvölkern in Dadant. Aus den Zandervölkern werden Langstrothvölker, die zur Ablegerbildung verwendet werden. Er sucht sich, da er beruflich gebunden ist, Unterstützung für die Imkerei, die er in seinem Bruder Alfons und in Karl Knoblauch findet. Es entsteht eine Betriebsweise, die an Sklenar angelehnt ist.
    Durch die Verstärkung der Wirtschaftsvölker mit einem Ableger wird die Überwinterung abgesichert und der Ertrag aus der frühen Blüte verbessert. Es stellt sich heraus, dass die stärkeren Völker den Qualitäten der Buckfastbiene entgegen kommt. Seine Erfolge mit der Buckfastbiene sprechen sich in Deutschland herum.
  • 1966 besucht er Br. Adam in Buckfast Abbey. Auf einer Fahrt zu den Außenständen bricht Mr. Kemp, damals Mitarbeiter von Br. Adam, in schallendes Gelächter aus. Weil Franz Fehrenbach kein Englisch spricht, bittet er Br. Adam um Aufklärung. Bruder Adam sagt, er sagte zu Mr. Kemp, gemessen an seinen bisher in der Bienenhaltung gemachten Fehlern könne aus ihm (F. Fehrenbach) noch etwas werden.
    Um in die Zucht der Buckfastbiene einzusteigen, sucht er Kontakt zu Fritz Baumgarten. In der Folge beschickt er mehrmals die Insel Langeneß mit Drohnenvölkern und Ablegern.
  • 1971 wird erstmals die eigene Belegstelle in den Allgäuer Alpen, die mit Hilfe von Felix Schneider und Josef Käufler gefunden wurde, beschickt. Um die Verbreitung der Buckfastbiene zu fördern, verkauft er mehrere Jahre Ableger mit beleg-stellenbegatteten Königinnen.
    Zu den ersten interessierten Imkern gehörten Hans Beer und Günther Ries. Günther Ries reiste mit mehreren Kasseler Kollegen an, die gleich eine Woche blieben. Dessen Vernetzung in der Imkerschaft und die Aufgeschlossenheit der Kasseler Imker nutzt er, um die Gründung der Gemeinschaft der Buckfastfreunde anzuregen.

Fahrten mit Bruder Adam

  • 1972 Türkei
  • 1976 Marokko
  • 1977 Griechenland
  • Frühjahr 1979   Kurzaufenthalt in Buckfast Abbey
  • September 1979 Besuch der Apimondia in Athen
  • 1980   Kreta und Athos
  • 1982 14 tägiger Aufenthalt in Buckfast Abbey während der Zuchtsaison
  • 1987   Tansania

Auszug aus dem Vorwort der 2. Auflage von Bruder Adams Buch  „Auf der Suche“ 
„Es war mir schon längst klar, dass ich die weiteren Forschungsreisen nicht mehr wie bisher, auf eigene Faust durchführen konnte. Dank dem großzügigen Entgegenkommen von Herrn Franz Josef Fehrenbach, Ravensburg, war die Möglichkeit gegeben, diese Aufgabe erfolgreich abzuschließen. Er stellte nicht nur seinen Wagen zur Verfügung, sondern übernahm auch die wesentlichsten Kosten der Reisen. Herr Dr. J.F. Corr, Belfast, begleitete uns auf allen drei Reisen und erwies sich stets opfer- und hilfsbereit.
Herr Prof. Dr. A. Kirn, Reutlingen, begleitete uns in die Türkei und Herr und Frau Köster, Castrop-Rauxel, nach Griechenland. Allen diesen Begleitern – vor allem Herrn Fehrenbach – schulde ich tiefsten Dank.
Diese Reisen waren oft sehr anstrengend und mit vielen Gefahren verbunden und verlangten von jedem eine entsprechende Opferbereitschaft.“

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Und immer sind irgendwo Spuren seines Lebens: Gedanken, Bilder, Augenblicke und Gefühle. Sie werden uns immer an ihn erinnern und ihn uns nie vergessen lassen.

Gemeinschaft der Europäischen  Buckfastimker e.V.  
Magnus Menges,   1. Vorsitzender
Verband der Buckfastimker-Süd e.V.
Rudolf Schweitzer,  1. Vorsitzender