Juli

Jetzt beginnt das Bienenjahr, das mit der Honigernte im nächsten Jahr abschließt. Die Monate Juli und August haben eigentlich nur ein Thema: Wie bekomme ich meine Bienenvölker gesund und fit in den Winter?

Wer die Spättracht, wenn es sie in diesem Jahr denn gibt, nutzt, steht wieder vor der Entscheidung, die Völker aus der Tracht heraus zu nehmen und auf einen Teil der Honigernte zu verzichten, um das neue Bienenjahr zu beginnen oder einen Teil der Völker zu opfern und die Tracht zu Ende zu nutzen. Letzteres ist nur dann ruhig möglich, wenn genügend Ersatzvölker und Ableger gebildet wurden. Ohne Spättracht ist die Entscheidung viel leichter.

Mit dem Ende der Tracht, hier bei uns in Oberschwaben ist das in den meisten Jahren Mitte Juli, werden die Völker abgeschleudert. Wir setzten bei unseren Dadantvölkern in den letzten Jahren für die Fütterung zusätzlich zum Adamfütterer parallel zum Abschleudern eine Futtertasche ein. Damit ist die erste Fütterung schnell und ohne Schwierigkeiten mit der Ladekapazität beim Transport möglich. Mit der Bienenflucht bringen wir Futter an den Stand. Beim Einlegen der Bienenflucht wird die Futtertasche mit Futtersirup oder Zuckerlösung gefüllt. Wir verwenden im Moment noch Futtersirup. Immer mehr Kollegen füttern lieber Zuckerlösung 1:1, 2:1 oder 3:2. Sie meinen einen besseren Bruteinschlag und mehr Bienenumsatz in den Völkern zu erreichen, was die Volksstärke über den Winter verbessert. Wer seine Völker in der Nähe des Hauses stehen hat, sollte dem Beispiel Konrad Finks, Wennedach, folgen. Er hat allen Völkern, denen er am Tag Honig entnommen hat, am gleichen Abend Futter gegeben. Und immer betont, dass es, wenn es noch ein wenig honigt, den Völkern nur gut tut.

Wenn wir dann nach ein oder zwei Tagen die Honigräume von den Völkern nehmen, können wir die erste Maßnahme gegen die Varroamilbe ergreifen. Wer an dieser Stelle "das" Rezept gegen die Varroa erwartet, wartet leider vergebens. Dazu sind Volkszustand, Varroabelastung, Standort und Kleinklima zu verschieden. Als Richtlinie ist in jedem Fall das Varroose-Bekämpfungskonzept Baden-Württemberg sehr zu empfehlen.

Bild 1
Bild 2


Wir sind dazu übergegangen, die erste Behandlung mit Ameisensäure durchzuführen. Die Ameisensäure wird in flachen Verdunstern (Bild 1), die unter dem umgedrehten Adamfütterer Platz finden, zur Verdunstung in die Völker gebracht. Die eingesetzte Menge an Ameisensäure hängt von der Konzentration, Volksstärke und Temperatur ab. Bei sehr hohen Tagestemperaturen sollte die Ameisensäure früh morgens oder wenigstens gut gekühlt in die Völker eingebracht werden. Links unter meiner Hand ist die Futtertasche zu erkennen, die von den Bienen innerhalb eines Tages gelehrt wurde. Die Verdunster werden vor Ort mit einer Dosierspritze gefüllt (Bild 2). Für das Hantieren mit Ameisensäure sind die entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen und die persönliche Schutzkleidung erforderlich. Wichtig ist es, genügend Wasser mitzuführen, um im Falle eines Falles mit Säure in Berührung gekommene Hautpartien gründlich abwaschen zu können.

Im weiteren Verlauf des Sommers kann wieder Ameisensäure oder ein Thymolpräperat eingesetzt werden, um die Varroa unter Kontrolle zu halten.

Es ist zu beachten, dass über die Behandlung gegen die Varroa in einem Bestandsbuch ein Nachweis geführt wird. Wichtige Angaben sind: Wann, wo, welche Völker, mit was, in welcher Konzentration und Menge, wer! Das gilt nicht für 15%ige Milchsäure und 60%ige Ameisensäure (ad. us. vet.). Beim Einsatz von 85%iger Ameisensäure ist zusätzlich zu beachten, dass ein Tierarzt für das einzelne Volk den Behandlungsnotstand z.B. aufgrund der langen Trachtnutzung attestieren muss.

Wie schon gesagt, ist die erste Maßnahme gegen die Varroa mit der letzten Honigentnahme zu verbinden. Stellt man das Trachtende fest, bleibt nicht mehr viel Zeit. Mit dem Trachtende schränken die Bienenvölker ihre Bruttätigkeit stark ein. Weil aus der auslaufenden Brut relativ viele Varroen schlüpfen, die dann auf immer weniger junge Brut treffen, ist sehr schnell eine Mehrfachparasitierung erreicht, deren Folgen aber unter den Brutdeckeln verborgen bleiben. Auch sind äußerlich noch unversehrt schlüpfende Bienen schon so geschädigt, dass sie ihre Funktion im Volk oder gar als Winterbienen nicht richtig wahrnehmen können. Es hilft, wenn man durch Kontrollen an der Brut, den Bienen oder eine Gemülldiagnose über den Varroabefall Bescheid weiß.

Bild 3
Bild 4


Bild 3
zeigt ein Stück Wabe mit Drohnenbrut und Varroamilben. Wer Milben in der Brut sieht, muss gewarnt sein und im Sommer besonders aufzupassen. Bild 4 ist ein Suchbild. Es sind zwei Anzeichen für eine zu große Belastung des Volkes mit Varroen zu erkennen. Zu sehen sind 3 Varroen auf Bienen. Davon eine Varroa auf der Königin und eine Biene rechts oben im Bild, die durch den DFW-Virus geschädigt ist. Sieht man bei der Durchsicht der Völker durch Viren geschädigte Bienen oder auf den Bienen sitzende Varroen, so ist der beste Behandlungszeitpunkt schon um 14 Tage verpasst.

Für uns in Oberschwaben gilt, dass die erste Varroabehandlung sofort nach der Tracht und wenn irgendwie möglich noch im Juli durchgeführt wird. Wenn es zu organisieren ist, dass lokal die Imker in einem engen Zeitfenster zumindest ihre erste Behandlung durchführen, dann sollten Probleme, die durch Reinvasion von Varroen an den Völkern entstehen können, der Vergangenheit angehören. Dazu gehört auch, dass jeder einzelne Imker so gut es geht, Räuberei an seinen Völkern verhindert. Bei schwächeren Völkern sollte das Flugloch soweit verkleinert werden, dass sie es gut verteidigen können. Zu schwache oder aus anderem Grund anfällige Völker sollten aufgelöst werden.

Eine Strategie gegen die Varroa, die ich selber noch nicht in der Praxis angewendet habe, besteht in der Entnahme der Brut. Zum einen wird mit der Brut die Masse an Varroa, die im Sommer zu 80 % in der Brut sitzt, entzogen. Zum anderen kann in den Völkern eine komplette Bauerneuerung durchgeführt werden. Das hat für Systeme wie Dadant, die mit einem Brutraum arbeiten, durchaus seinen Reiz. Auch für diese Maßnahme gilt: August ist zu spät! Um die Völker, die als Kunstschwarm oder Flugling aus den Bienen und der Königin des Volkes gebildet werden, auf eine ansprechende Stärke zu bringen, ist jeder Tag im Juli wertvoll. Auch aus dem Brutwabenteil, der bis zum vollständigen Auslaufen der Brut weisellos gehalten wird, entsteht eher ein Volk, wenn die Brut noch nicht zu stark unter der Varroa leidet. Im August ist es meist schon fraglich, ob die Brut mit Varroen nicht sofort vernichtet werden sollte.

Bild 5
Bild 6


Der Neuaufbau der Völker hängt aber nicht nur von genügend gesunden Bienen ab. Die Landschaft um die Völker sollte noch ein gutes und vielfältiges Pollenangebot bereithalten. Das Pollenangebot ist zweifellos nicht mehr wie im Mai. Bild 5 zeigt eine Wabe aus einem Volk, das sehr vielfältigen Pollen gesammelt hat. Der kräftig rotbraune Pollen stammt von Rosskastanien. Aber etwas Vielfalt wäre schon gut. Hier stoßen wir leider an Grenzen, die zumindest zum Teil durch den massiven Maisanbau gezogen werden. Man hat als Imker Glück, wenn Landwirte bereit sind, zur Verbesserung des Angebotes Blühstreifen anzulegen. Dieser Blühstreifen an einem Acker bei Frohnhofen (Bild 6) war vor allem mit Phazelie, Malven und Sonnenblumen eingesät. Er wurde nicht nur von Honigbienen gut besucht, sondern es fanden sich auch viele Hummeln und andere Insekten ein. Auch viele Städte bieten mit der Einsaat von Blühmischungen auf Brachen und entlang von Straßen inzwischen bessere Bedingungen als das freie Feld. Selbst die Hausgärten können, wenn sie nicht in die letzte Ecke mit Zierrasen belegt werden, kleine Paradiese für Insekten sein (Bild 7).

Bild 7
Bild 8


Es kommt hin und wieder vor, dass eine starke Melizitosetracht den Imkerfrieden im Sommer stört. Ganz ungeschickt ist es, wenn sie erst eintritt, wenn die Völker schon abgeräumt und womöglich gefüttert sind. Vorher ist sie vielleicht im Rahmen der Bauerneuerung zu nutzen, da die Bienen bei Mellizitoseangebot stark brüten und gerne bauen. Auf jeden Fall sollte man darauf achten, dass das Brutnest nicht zu stark eingeengt wird. Das macht alle Vorteile, die aus der Tracht entstehen zunichte. Im Zweifel erweitert man lieber mit leeren Rähmchen als gar nicht. Was man mit dem Wildbau und dem eingetragen Honig macht, kann man dann über den Winter überlegen. Bild 8 zeigt einen Honigraum, der mit Leerrähmchen gefüllt aufgesetzt wurde. Die Bienen haben die Rähmchen zum Teil ausgebaut und mit Melizitosehonig gefüllt.