November

An den Bienenvölker tritt jetzt die Winterruhe ein. Was bis jetzt nicht an den Völkern erledigt wurde, muss auf das nächste Frühjahr verschoben werden. Wenn die ersten härteren Frostnächte nicht schon im Oktober zu verzeichnen waren, dann kommen sie spätestens Mitte bis Ende November. Manches Jahr sorgt der erste Schnee im November für Ruhe und eine weiße Decke. Anfang November sind an milden Tagen noch letzte Völkerbewegungen möglich. Das wären z.B. die Aufwanderung an Überwinterungsstandorten, der Ausgleich der Völkerzahl, wenn man mehrere Standorte besetzt hat, oder das Auflösen von Ablegerständen, wenn deren klimatischen Bedingungen keine gute Überwinterung zulassen.

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In regelmäßigen Abständen müssen wir unsere Stände kontrollieren, erzwungen durch heftige Herbststürme kann das auch öfters nötig sein. Auch auf unliebsame Gäste am Bienenstand wie den Grünspecht (Bild 1) müssen wir achten. Als wir regelmäßig im Markgräflerland Bienenvölker überwintert haben, haben wir diese mit großem Aufwand in einen Käfig aus engmaschigem Drahtgewebe eingezäunt, um Schäden zu vermeiden. Rund um Ravensburg traten in den letzten Jahren nur sporadisch Schäden auf. Scheinbar haben sich bei uns nur einzelne Spechte auf diese spezielle Nahrungsquelle eingestellt.

Für sehr viele Imker sind die Herbstmärkte und die Vorbereitung der Weihnachtsmärkte wichtige Etappen in der Vermarktung von ihrem Honig und anderen Bienenprodukten. Wir vermarkten unseren Honig in der Hauptsache über größere Abfüller oder über eine Honigerzeugergemeinschaft. Deshalb halte ich mich mit guten Vorschlägen über die beste Vorgehensweise zur Vorbereitung von cremigen oder flüssigen Honigen und die geeignete Aufmachung der Verkaufsgebinde lieber zurück. Sowohl mit der Theorie als auch der Praxis habe ich mich beschäftigt, aber die Erfahrungen mit den kleinen Mengen, die ich verkaufsfertig mache, entsprechen noch in keiner Weise den Anforderungen, die eine konsequente Vermarktung erfordert.

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Was mich nicht hindert, immer das Angebot an Honig in Läden oder auf Märkten in Bezug auf Aufmachung und Preis zu verfolgen. Manchmal bietet sich die Gelegenheit, nicht nur Angebot und Preise zu beobachten, sondern auch mit dem Hersteller und Verkäufer ins Gespräch zu kommen (Bild 2). Bob Bouchard bietet den Honig aus seiner kleinen Imkerei auf dem Farmersmarket in Renfrew, Ontario, Kanada, an. Renfrew liegt ca. 70 km westlich von Ottawa. Die Lage auf dem Land erzwingt vergleichsweise bescheidene Honigpreise. Sehr gerne erinnere ich mich an das Gespräch, das ich mit Bob geführt habe. Er erzählte von seinem Sohn und dessen Erfahrungen in der Werbebranche. Er zog Parallelen aus der Platzierung von Werbung zu der Erzeugung und Vermarktung von Honig. Sein Fazit für den Erfolg war "location, location, location". Das heißt, für den Verkauf ist es neben der Aufmachung wichtig, den Honig dort anzubieten, wo möglichst viele Kunden zu erreichen sind. Und bevor man Honig verkaufen kann, müssen die Völker an Standorten gehalten werden, die den bestmöglichen Ertrag bringen. Dabei ist nicht nur die Erntemenge von Bedeutung, sondern auch Qualität und Sorte. Dasselbe gilt auch für die Öffentlichkeitsarbeit. Als Beispiel zeige ich hier einen Bienenstand im botanischen Garten von Seattle, USA (Bild 3).

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Im November ist traditionell um Martini, also um den 11. November, in der Landwirtschaft die Pachtzahlung fällig. Wenn man seine Völker nicht nur auf eigenen Grundstücken hält, ist es die Zeit, den vereinbarten Preis zu begleichen. Auch wenn uns Imkern die Standplätze oft kostenlos überlassen werden, ist es doch eine schöne Geste, sich für die Gastfreundschaft erkenntlich zu zeigen. Neben der Pflege von Beziehungen für Überwinterungs-, Ableger- und Dauerstandplätze (Bild 4 zeigt einen Bienenstand am Fuße der Vogesen), erlauben die grauen Tage auch schon, Kontakte für, in der neuen Saison geplante, Wanderungen in besondere Trachten zu knüpfen. Wenn man Völker für die Bestäubung bereitstellt, dann kann man oft jetzt schon in Erfahrung bringen, wann, wo und wie viele Völker benötigt werden, um die Planung beginnen zu können. Die Bedingungen in Dauerkulturen wie Obst ändern sich nicht so schnell, wohl aber die bei der Bestäubung zum Beispiel in der Saatgutproduktion, wo die Anbauflächen von Jahr zu Jahr wechseln. Bild 5 entstand beim Besuch eines auf Bestäubung spezialisierten Imkereibetriebs nördlich von Seattle, USA. Zur Zeit meines Besuches waren die Völker unter anderem zur Hilfe bei der Gewinnung von Senfsamen eingesetzt.
Noch ist bei uns in Süddeutschland die flächendeckende Bestäubung nicht in Gefahr. Wenn sich aber die Imker weiter im Siedlungsbereich konzentrieren und durch die Ausräumung der Landschaft Lebensraum auch für andere Bestäuber als die Honigbiene weiter schwindet, kann es für die landwirtschaftliche Produktion vermehrt nötig werden, Bestäubungsleistung einzukaufen.

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Beim Nachdenken darüber, was ich noch als Ratschläge in die Monatsanweisungen packen kann, habe ich auch auf meinen eigenen Weg als Imker zurückgeblickt. Wie für viele Imker waren meine ersten Schritte in der Imkerei, dass ich als Jugendlicher für kleinere Hilfsarbeiten mit zu den Bienen gegangen bin. Bei uns war die Imkerei ausgerichtet auf das Vorbild von Br. Adam, Buckfast Abbey (Bild 6). Mein "learning by doing" (= man lernt, indem man macht bzw. mitmacht) beschränkte sich dadurch im Wesentlichen auf das Imkern in Dadantbeuten. Das wurde noch verstärkt, weil ich zwei Sommer in Buckfast Abbey, Südwestengland, mit Br. Adam zu den Bienen konnte. Als ängstlicher Anfänger war ich mit großen Handschuhen ausgestattet und - bei dem englischen Wetter gar kein Nachteil - von oben bis unten vermummt. Meistens musste/durfte ich Br. Adam das Rauchen abnehmen. Ich lernte so, selbst wenn es feucht war, zügig einen Smoker in Gang zu setzen. Zügig heißt aber nicht hastig. Man muss sich die Zeit nehmen und eine ordentliche Glut im Raucher entstehen lassen, bevor man mehr Rauchstoff einfüllt und die zu schwache Glut nicht gleich wieder zu erstickt. Ungeduld führt dazu, dass man drei- und viermal neu den Smoker anzündet und nicht an die Arbeit kommt. Besonders wenn, wie es bei Br. Adam war, recht feine und öfters auch feuchte Hobelspäne als Rauchmaterial genommen werden. Dafür geht ein einmal ordentlich entzündeter Smoker nur aus, wenn man vergaß, rechtzeitig wieder Späne nachzufüllen.

Als Rauchboy war meine Aufmerksamkeit gefragt, um den Bienenvölkern, an welchen Br. Adam gearbeitet hat, genau die Menge Rauch zu verabreichen, die ihn gut arbeiten ließ. Zog er die Hände schnell zurück, kam meist kurz darauf der Ausruf: "So rauchen sie doch!" Bei zu viel Rauch wurde ich mit dem Hinweis: "Ich steche nicht!" darauf aufmerksam gemacht. Und wenn ich in den insgesamt 14 Wochen in Buckfast Abbey nur Spott für meine mit Handschuhen geschützten, Hände erntete so waren sie zumindest einmal anerkannt nützlich. Br. Adam öffnete ein an diesem Tag sehr aggressives Volk und wurde von den Bienen böse angegriffen. Er begab sich rasch auf die Flucht, sagte aber noch: "Herr Fehrenbach, sie haben Handschuhe an. Bleiben sie hier und rauchen."

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Auch die Ergonomie kam bei Br. Adam nicht zu kurz. Bei seiner Gruppenaufstellung der Völker konnte jedes Volk ohne Verdrehungen oder Verrenkungen durchgeschaut werden (Bild 7). Die Nachbarvölker dienten als Ablage für Aufsätze. Wenn er Völker bearbeitete, deren Brutraum mit 12 Waben voll bestückt war, wurde zuerst die Randwabe gezogen und zwischen den Völkern im Schatten abgestellt. Die entstandene Lücke reicht, um die weiteren Waben im Brutraum verschieben und ziehen zu können.

Sollte die Königin gesucht werden, wurden die Waben von der Seite aus, auf der Br. Adam stand, nacheinander gezogen und abgesucht. Beim Ziehen der Wabe behielt Br. Adam sowohl die von ihm abgewandte Seite der Wabe als auch die ihm zugewandte Seite der nächsten Wabe im Kasten im Blick. Häufig fühlt sich die Königin durch das einfallende Licht gestört und bewegt sich über die Wabe. Die Bewegung ist recht auffällig und gut zu sehen. Hat man die Königin nicht sofort gesehen und muss die Wabenseiten absuchen, so wurde von Br. Adam zuerst die eine Seite in Blick genommen (Bild 8). Um danach die Rückseite der Wabe absuchen zu können, muss die Wabe in der Hand gedreht werden. Hier wachte Br. Adam mit Argusaugen darauf, dass die Wabe nicht einfach um den waagerecht gehaltenen Oberträger rotiert wurde. Er wollte, dass die Wabe senkrecht aufgerichtet wurde (Bild 9) und erst dann vorsichtig um die Längsachse rotiert wurde. Der Vorgang sollte unbedingt über dem Brutraum erfolgen, dass, wenn sich eine Königin fallen lassen sollte, diese im Volk landet. Aber er betonte immer und immer wieder, dass genau dieses am ehesten zu verhindern ist, wenn die Wabe nach seiner Vorgabe gedreht wird. Das heißt, bei jedem Eingriff im Brutraum, also auch wenn zum Beispiel nach Schwarmanzeichen gesucht wurde, mussten die Waben über die Senkrechte gedreht werden.

Bild 9