Oktober

Mit dem Oktober geht die aktive Zeit an den Bienen zu Ende. Die sonnigen Tage lassen die Völker noch einmal kräftig fliegen und es werden die letzten Pollen eingetragen. Wo viel Ackersenf gelb die Felder ziert, kann der Bruteinschlag auch im Oktober beträchtlich sein. Wir nutzen diese Zeit, um eine letzte Kontrolle der Futtervorräte vorzunehmen (Bild 1). Die Völker werden leicht angehoben, um das Gewicht zu bestimmen. Durch einen Blick in einige ausgewählte Völker am Stand bestimmen wir zusätzlich, wie sich das Gewicht jeweils aus Brut, Pollen und Honig bzw. Sirup zusammensetzt. Je nach Gewicht bekommen die Völker dann eine abschließende Futtergabe. Diese fällt nicht zu knapp aus, weil in den letzten Jahren die Völker oft im November noch einiges an Vorrat verbraucht haben. Dann ist aber eine Fütterung schwierig, weil die Nächte doch zu kalt werden.
Nachdem die Völker die abschließende Fütterung verarbeitet haben, nehmen wir die Adamfütterer von den Völkern.
Die Kontrolle der Vorräte gibt auch eine letzte Gelegenheit, zu schwache Völker zu vereinigen oder noch Völker, deren Königinnen nicht befriedigen, eine neue Königin zu geben.

Bild 1

Im Oktober ist es Zeit, die Völker gegen den unerwünschten Besuch von Mäusen zu sichern. Es ist ja nicht so, dass wir Imker nicht ein paar Mäuse über den Winter füttern könnten, aber von Mäusen besuchte Völker leiden sehr unter der Störung. Wir führen unsere Völker das ganze Jahr über mit einem Fluglochkeil, der ein Flugloch von 0,8 cm Höhe und 31 cm Breite oder bei kleinen Völkern 0,8 cm Höhe und 5 cm Breite hat. Damit überwintern wir auch gut. Wir kontrollieren, ob der Fluglochkeil nicht verrutscht ist oder fehlt und ob die Völker auch wirklich richtig auf den Böden stehen, sodass das Volk bis auf das Flugloch geschlossen ist. Es kann doch immer wieder ein natürliches oder unnatürliches Ereignis eintreten, das eine Korrektur nötig macht.
Bild 3 dokumentiert ein unnatürliches Ereignis. Die Spur auf dem Dach des platt gefahrenen Volkes lässt die Dimension des Traktors erahnen, der hier nicht rechtzeitig halten konnte. Von den drei Völkern auf der Palette war eines so platt gefahren, dass kaum Bienen überlebten. Ein Volk war von seinem Boden gestoßen. Das dritte Volk war unberührt. Weil auch die Palette unter dem Druck gebrochen war und unsere Böden direkt auf die Palette geschraubt sind, musste zusätzlich die Palette getauscht werden, um das zur Seite gestoßene Volk wieder aufstellen zu können.

Bild 2
Bild 3

Die kühlen Tage im Oktober nutzen wir, um die aussortierten Waben aus ihren Rähmchen zu schmelzen. Aufgrund der starken Dampfentwicklung ist nicht daran zu denken, dies in einem geschlossenen Raum zu machen. Auf jeden Fall achten wir darauf, dass kein Bienenflug herrscht, um ein Suchen der Bienen oder gar Räuberei zu verhindern. Auf Bild 4 ist in der Mitte des Bildes unser Dampferzeuger zu sehen. Der Dampferzeuger steht frei und kann mit Holz oder Kohlen beheizt werden. Vom Dampferzeuger wird der Dampf in einen Behälter geleitet, in dem die Rähmchen hängen oder stehen. Nicht zu sehen ist, dass das geschmolzene Wachs zusammen mit Wasser (dem kondensierten Dampf) unten aus dem Behälter in einen Eimer läuft. Der Eimer steht hinter dem Stoß mit alten Waben, der rechts zu sehen ist. Links sind die annähernd sauberen Rähmchen. Bei der Entnahme aus dem Behälter werden sie von restlichem Wachs und anhängendem Trester befreit. Wir unterhalten seit Jahren einen offenen Wachskreislauf. Das Wachs aus Brutraumwaben (Bild 5) kommt in die Kerzenproduktion.

Bild 4
Bild 5

Wer Gelegenheit hat, einen Vortrag von Klaus Wallner über die Rolle des Baumaterials Wachs im Bienenvolk zu hören, dem sei dies dringend empfohlen. Neue Mittelwände für die Völker lassen wir nur aus Wildbau, Drohnenbau oder Entdeckelungswachs gießen (Bild 6). Die Wachsmenge aus Drohnenbau und Wildbau ist aber meist sehr überschaubar. Eine richtig gute Wachsernte erhält man nur, wenn es auch eine gute Honigernte gibt (Bild 7).

 

Bild 6
Bild 7

Nachdem die Waben aus den Rähmchen geschmolzen worden sind, werden die Rähmchen in kochendem Wasser gewaschen. Wir arbeiten mit zwei mit Holz beheizten Wasserkesseln (Bild 8). In dem ersten Kessel ist dem Wasser Soda (Natriumkarbonat) zugesetzt, um die anhaftenden Wachsreste zu lösen. Die Rähmchen werden in einen schweren Eisenkorb gepackt, damit sie nicht aufschwimmen können. Die Rähmchen bleiben dann für einige Zeit im kochenden Wasser eingetaucht. Danach werden sie in einem zweiten Kessel mit heißem, sauberem Wasser gespült. Die gewaschenen Rähmchen (Bild 9) brauchen einige Tage, um wieder zu trocknen. Das Waschen der Rähmchen bedeutet einiges an Mehraufwand. Man könnte die Rähmchen auch schon nach dem Ausschmelzen wiederverwenden, aber gerade wenn Mittelwände in eine Nut eingegossen werden, wie es bei unseren Honigraumwaben der Fall ist, erleichtert das gründliche Reinigen die weitere Arbeit.

Bild 8
Bild 9

Jetzt ist es auch Zeit, sich wieder einmal um den geernteten Honig zu kümmern. Kam der Honig mit 16 % Wassergehalt in den Eimer oder das Fass, sollte er über längere Zeit halten (Bild 10). Leider ist es nicht immer möglich, den Honig wirklich in lagerfähiger Qualität zu ernten. Bevor solcher Honig in Gärung übergeht, ist aber oft noch eine Rettung möglich. Anzeichen für eine beginnende Gärung sind z. B. ein fruchtiger Geruch, dass der Honig auch bei kühler Lagerung weich wird oder dass die sonst glatte Oberfläche sich leicht wölbt und Risse entstehen. Bei Beginn der Gärung kann diese durch die Erwärmung und Verflüssigung des Honigs bei 40°C noch gestoppt werden. Honig, der richtig in Gärung übergegangen ist, kann nur noch als Backhonig, Futter oder zur Herstellung von Met verwendet werden.

Bild 10

Nicht zuletzt beginnt jetzt die Saison der überregionalen Imkerversammlungen. Die Auswahl ist groß, aber für den Südwesten ist besonders der Berufsimkertag in Donaueschingen interessant. Obwohl ich (noch?) kein Mitglied im Deutschen Berufimkerbund (DBIB) bin, war ich die letzten Jahre immer dort. Die Ausstellung bietet alles an Imkereigeräten und auch an allen anderen Gütern, die die Imker und ihre Kunden brauchen oder gern hätten. Dazu gibt es ein abwechslungsreiches Vortragsprogramm. Besonders wichtig ist, dass sich Imkerfreunde von nah und fern treffen und sich im Gespräch austauschen können.