September

Vor dem Auftreten der Varroa und den Schäden an den geschwächten Bienen durch verschiedene Viren, war der September ein beliebter Urlaubsmonat bei Imkern. Mitte bis Ende September waren die Völker fertig aufgefüttert und somit für die Überwinterung vorbereitet. Dazwischen blieb ausreichend Zeit, um für das letzte Quartal des Jahres, in dem für viele Imker die Vermarktung der von den Bienenvölker gewonnen Erzeugnisse im Vordergrund steht, frische Kräfte zu sammeln.

In unserer Imkerei war und ist der September nicht frei. Wir nützen diesen Monat mit oft angenehmen Temperaturen und noch einer ansprechenden Tageslänge, um die Völker, deren Königinnen nicht überwintert werden sollen, umzuweiseln. Zuvor wird allen Jungköniginnen ein Vorderflügel um ein Drittel eingekürzt. Bild 1 zeigt rechts meine Schere, mit der ich die Flügel schneide. Ich benutze seit fünf Jahren eine japanische Stickschere. Sie ist leicht zu greifen, weil man in keine Ohren fassen muss und dazu noch sehr scharf. Das Flügelschneiden ist für mich immer noch die zuverlässigste Methode, um Königinnen zu zeichnen, weil der Flügel nicht nachwächst, während ein aufgebrachtes Zeichen doch gelegentlich abfällt oder verschwindet. Seit meine Augen nachzulassen beginnen, werden die Königinnen auch bei uns noch zusätzlich gezeichnet. Dafür nutze ich vorwiegend einen kleinem Lackpunkt. Am Verschluss des Lackfläschchens ist ein Röhrchen angebrachten, mit dem leicht auf den Rücken der Königin getupft wird (Bild 1, links unten). Zusätzlich werde ich probehalber Königinnen mit Plättchen zeichnen, die exklusiv für mich den Buchstaben F tragen (Bild 1, links oben). Auf Bild 2 ist eine gezeichnete Königin zu sehen. Der Lackpunkt leuchtet förmlich und ist so beständig, dass er auch nach drei oder vier Jahren noch gut zu erkennen ist. Weniger gut ist zu erkennen, dass der linke Vorderflügel eingekürzt ist.

Bild 1
Bild 2

Unsere Völker werden umgeweiselt, in dem die Königin, die weichen muss, gesucht und heraus gefangen wird. Dann werden das nur kurz weisellose Volk und der Ableger mit der Jungkönigin vereinigt. Besetzt der Ableger mit der Jungkönigin einen vollen Brutraum, wird der Brutraum mit dem neueren Wabenbau nach oben gesetzt. Die Völker werden immer ohne Papier oder sonstige Hilfsmittel vereinigt. Weil wir erst spät mit der Beschickung unserer Belegstelle beginnen können, sind die meisten Ableger immer noch in ihrem fünf oder sechs Waben Ablegerkästen. Daraus werden die Jungköniginnen mit ihren Waben direkt in das Volk eingehängt. Hat das Volk zwei Bruträume, werden entsprechend der Wabenzahl des Ablegers aus dem unteren Magazin alte Waben entnommen. Die Lücke wird mit älteren oder störenden Waben aus dem oberen Magazin aufgefüllt. In das obere Magazin wird dann der Ableger gehängt. Sollte der Ableger ausnahmsweise mit älteren Waben gebildet worden sein, kann er auch unten eingehängt werden.

Auch wenn das Volk nur einen Brutraum hat, hängen wir den Ableger zu. Um den Ableger zusammen mit dem Volk in einem Brutraum unterzubringen, wird zuerst die Futtertasche entfernt. Dadurch entsteht Platz für zwei Waben. Dann werden noch alte oder unpassende Waben aus dem Volk entnommen, um zumindest die Brutwaben des Ablegers unterzubringen. Bild 3 entstand, als eine der Leerwaben des Ablegers in das Volk abgestoßen wurde.

Bild 3

Weil für den Ableger meist nur begrenzt Platz geschaffen werden kann, können diese Waben nicht auch noch zur Bauerneuerung verwendet werden. Bild 4 und 5 zeigt, wie der Ableger in die Mitte des Volks gehängt wird. Mit der Umweislung erfolgt noch eine Bauerneuerung im Zentrum des Volkes. Zum Schluß werden auch die Bienen von den Wänden und dem Boden des Ablegerkasten in das Volk gestoßen, um sicher zu sein, dass die Jungkönigin auch wirklich vor Ort bleibt, wenn man sie nicht schon beim Umhängen gesehen hat.

Der Ablegerkasten wird mit den entnommenen Waben gefüllt und verschlossen. Damit wird erfolgreich Räuberei unterbunden.

Bild 4
Bild 5

Auch die Imker, die erst im Frühjahr umweiseln oder Jungvölker aufbauen und Altvölker ausscheiden, müssen heute die Völker weiter beobachten, weil die Varroamilbe noch Probleme bereiten kann. Das kann mehrere Gründe haben. Entweder war die für Juli und August gewählte Behandlungsstrategie nicht gut genug oder es kommt zur Reinvasion durch Milben aus anderen Völkern.

 

 

Bild 6

Bild 6 zeigt eine Brutwabe aufgenommen im September 2011. Durch den frühen Brutbeginn war die Virenlast besonders hoch. Die ungünstige, weil kühle und feuchte Witterung Ende Juli/Anfang August tat ihr übriges. Für eine sichere Überwinterung sollten Bienenvölker im September mindestens gegen 10 000 Bienen stark sein. Die Parasitierung durch die Varroa sollte höchstens 10 % betragen. Für den natürlichen Totenfall der Varroa bedeutet das, dass er unter einer Milbe pro Tag liegen sollte. Für den Imker stehen mehrere Wege offen. Ist genügend Bienenmasse vorhanden und die Milbenlast nicht allzu hoch, kann durch Verstärkung oder Zusammenlegung mit einem anderen Volk die Überwinterungsstärke erreicht werden. Wichtig ist zu wissen, dass bei zu hoher Milbenlast ein gesundes Volk oft die Defizite nicht auffangen kann und so leidet, dass es nicht oder schlecht überwintert. Man kann die Brut entnehmen und vernichten. Die Bienen werden mit 3,5%iger Oxalsäure besprüht und einem Volk zugeschlagen. Auf jeden Fall muss noch einmal die Varroa bekämpft werden. Es gilt zu verhindern, dass die Milben beim Zusammenbruch des geschädigten Volkes in andere Völker verschleppt werden.

Wir füttern bei geringer Spätsommertracht zwischen 25 und 30 kg Sirup je Volk. Wenn im September bei hohen Temperaturen gefüttert wird, steigt die Gefahr, dass Räuberei entsteht. Diese wird schnell verstärkt, wenn durch Milben geschwächte oder weisellose Völker am Stand stehen. Auch Eingriffe am Brutraum und das Hantieren mit Waben verstärken die Gefahr.
Räuberei erkennt man an dem ungewöhnlich starken Flugbetrieb. Die beraubten Völker können keine gute Fluglochkontrolle durchführen. Es bilden sich kreiselnde Knäuel aus zwei, drei oder mehr Bienen. Die Räuber sind oft haarlos und glänzend schwarz. Wenn man die Beute öffnet, fliegen die Räuber schwarmartig aus der Beute auf. Bester Schutz vor Räuberei ist deren Vermeidung. Man sollte nur starke, gesunde Völker am Stand halten und keine Eingriffe vornehmen, die Räuberei provozieren. Hat Räuberei begonnen, hilft es manchmal, das Flugloch so zu verengen, dass das Volk die Kontrolle wieder ausüben kann. Wenn es sein muss so stark, dass nur eine Biene passieren kann. Die Fluglochverengung bietet aber gegen Wespen keinen Schutz, wenn sich die Bienen bei kühlen Temperaturen vom Flugloch zurück ziehen.
Haben die Räuber die Ordnung im Volk zu stark gestört, dann hilft nur das Verschließen der Beute. In so einem Fall stellt man das Volk am Besten auf einen anderen Stand. An die Stelle des beraubten Volkes kann man eine leere Beute stellen, damit die Räuber weiterhin ein Flugziel haben und keinen so starken Druck auf die Nachbarvölker ausüben.

 

 

Bild 7 gegen Räuberei verengtes Flugloch

Es gibt im September nur noch wenige pollen- und/oder nektarspendende Pflanzen. Diese halten aber nur bis zum ersten kräftigen Nachtfrost, der bei uns in Oberschwaben auch schon einmal Anfang September möglich ist. Neben Goldrute auf Brachen und Ackersenf, der als Gründüngung in den Feldern früh ausgebracht wurde, blühen in den Gärten häufig Astern (Bild 8).

Dieser Genuss ist für die Bienen nicht ungetrübt, weil gerade an der abgebildeten Asterngruppe Hornissen erfolgreich auf Bienenjagd gingen. Springkraut (Bild 9) gibt nicht nur Hummeln Nahrung. In manchen Regionen ist es so stark verbreitet und honigt so gut, dass die Bienenvölker nicht eingefüttert werden müssen. Manchmal besteht die Gefahr, dass kein Platz zum Brüten und für dem Bienensitz bleibt. Dann hilft nur der Austausch von vollen Waben gegen ausgebaute Leerwaben. Trotzdem darf das Angebot an Pollen- bzw. Nektarspendern gerne auch im September noch vielfältiger werden. 

Bild 8
Bild 9